Assimilation? Da waren wir schon mal, ihr habt es nur nicht bemerkt

Ruud Koopmans ist ein niederländischer Soziologe, dem offenbar erst seit einiger Zeit klar geworden ist, dass Multikulti falsch und stattdessen Assimilation der richtige Weg für die Integration der vielen Menschen mit sogenanntem Migrationshintergrund sei.

Die NZZ schreibt dazu heute in einem Artikel:

«Heute ist für Koopmans klar: Integration funktioniert über Assimilation, nicht über Multikulturalismus. Denn wer die Sprache der Mehrheit spricht, wer die Gepflogenheiten bei der Stellensuche kennt, hat weit bessere Chancen auf eine geregelte Arbeit, und das wiederum öffnet neue Türen in die Mehrheitsgesellschaft. «Assimilation muss und wird auch nie komplett und einseitig sein», so Koopmans, aber ohne Anpassung geht es nicht.»

(Martin Beglinger: Einwanderung: Multikulti führt zu Abkapselung; 27.06.2017, Neue Zürcher Zeitung, abgerufen am 27.06.2017)

Diese Erkenntnis von Koopmans löst bei mir nur Kopfschütteln aus.

Warum?

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Woher kommst du wirklich her?

Cartoon: Aber ich sehe doch...

Aber ich sehe doch…

In den letzten Wochen sind auf ZEIT Online wieder einige Artikel erschienen, die sich mit der Frage „Woher kommst du?“ beschäftigen. Diese Artikel nerven mich mittlerweile, weil sie einen in meinen Augen wichtigen Aspekt völlig außen vor lassen, der aber wichtig ist, um zu verstehen, wann und warum diese Frage rassistisch ist: Sie gehen nicht konsequent darauf ein, WARUM Biodeutsche uns diese Frage stellen.

Der folgende, seeeeeeeeehr lange Text, ist übrigens geschrieben aus der Perspektive eines in Deutschland geborenen Menschen mit sogenanntem Migrationshintergrund, der sich in Sachen Sprache, Werte und Kultur nicht hinter irgendwelchen Biodeutschen verstecken muss und der sogar seinen Wehrdienst für sein deutsches Vaterland geleistet hat.

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Wie Menschen auf eine andere Kultur vorbereitet werden

[Hinweis: einfachheitshalber benutze ich für diesen Artikel das generische Femininum, d.h. es sind stets sowohl Männer als auch Frauen und alle anderen, noch nicht benannten Geschlechter mitgemeint]

Wenn Unternehmen ihre Managerinnen in ein anderes Land schicken, um im Ausland Geschäfte zu tätigen, werden diese in der Regel gut darauf vorbereitet. Schließlich sollen sie dort mit den vor Ort lebenden Menschen kommunizieren und verhandeln und gute Geschäfte abschließen.

Die Beherrschung der Landessprache wäre dabei natürlich von Vorteil. Wenn das Gastland allerdings so „exotisch“ ist wie Korea, könnte es möglicherweise zu lange dauern, bis Managerinnen ein verhandlungssicheres Koreanisch sprechen. Mal davon abgesehen, dass neben dem gesprochenen Wort noch zahlreiche andere Aspekte die zwischenmenschliche Kommunikation prägen. Wer z.B. perfekt Koreanisch spricht, aber eine erhaltene Visitenkarte einfach schnell einsteckt, ohne sie vorher sichtbar und gründlich zu studieren, hat seine Erfolgschancen bereits dramatisch reduziert.

Damit es nicht zu solchen „Missverständnissen“ kommt, erhalten Managerinnen vor ihrem Auslandseinsatz häufig ein interkulturelles Training. Diese Trainings setzen ihren Schwerpunkt dabei eher auf das kulturelle Verständnis und Verhalten als auf die Sprache. Sicherlich, die wichtigsten Phrasen wie „Guten Tag“ oder „Danke schön“ sollte mensch kennen. Im Zweifel wissen die Gesprächspartnerinnen aber, dass sie es nicht mit einer Muttersprachlerin zu tun haben. Die Verständigung auf Englisch ist daher auf internationaler Ebene für den Anfang mehr als ausreichend. Wichtiger ist erst einmal das, was nicht durch Sprache ausgedrückt wird.

Wie ist nun so ein interkulturelles Training aufgebaut?

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Nein zur gewichsten Dirne – Ja zum N-Wort?

Im Magazin der Süddeutschen Zeitung, Heft 30/2015, erschien ein Artikel über „die“ Deutschen, ihr Verhältnis zum N-Wort und dem damit verbundenen Rassismus-Vorwurf: „In der Grauzone“.
Auf das Thema Rassismus selbst will ich hier nicht großartig eingehen. Mir fällt aber aufgrund der im Artikel beschriebenen Reaktionen und der Reaktionen im Netz wieder auf, wie vehement die Verwendung des N-Wortes verteidigt wird.
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Was unter Integration verstanden wird

Verstehen wir in Deutschland eigentlich alle das selbe unter dem Begriff „Integration“? 

Zum Einen: Integration ist ein Prozess, der Weg zum Ziel – und nicht das Ziel selbst.

Zum Anderen: Was ist das Ziel am Ende einer erfolgreichen Integration? 

Während die meisten Menschen mit sogenanntem Migrationshintergrund erwarten, dass sie irgendwann akzeptiert werden und sich nicht ständig erkären und rechtfertigen müssen, denken Menschen ohne sogenanntem Migrationshintergrund wiederum, eine erfolgreiche Integration führe letztendlich zur Assimilation der „Neuen“. 

 

Als jemand, der hier geboren wurde, dessen reale Muttersprache Deutsch ist, der protestantisch getauft wurde, der seit dem 10. Lebensjahr die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, der hier Abitur gemacht hat, der seinen Wehrdienst als Obergefreiter der Reserve beendet hat, der eine Ausbildung und ein Studium absolviert hat, als so jemand kann ich jetzt rückblickend sagen, dass all das, was ich vorhin aufgezählt habe, keine Rolle spielt, wenn es um die Frage geht, ob ich ein Deutscher bin. 

„Woher kommst du denn nun wirklich her, weil… man sieht doch, dass du kein Deutscher bist!“

Wer mir diese Frage beim Kennenlernen stellt, der sollte sich selbst fragen, wie sein Bild vom Deutschen aussieht. Denn ich als Person of Color scheine da nicht hineinzupassen.

Und so ist im Jahr 2015 am Ende immer noch allein das Aussehen auschlaggebend dafür, ob hierzulande jemand als Deutsche_r akzeptiert wird oder nicht. Und nicht die Sprache, die Werte, die Bildung oder der Geburtsort. 

Wann ändert sich das?