Japan und die Zwangsprostituierten

Weil so etwas wie eine „Entnazifizierung“ in Japan nie stattgefunden hat, ist es heute immer noch möglich, dass ein amtierender japanischer Premier (Shinzo Abe) die Verstrickung und Verantwortung der japanischen Armee für hunderttausende Zwangsprostituierte leugnen kann.

»Hirofumi Hayashi hofft deshalb auf internationalen Druck, der die jetzige Regierung davon abhalten soll, historische Fakten ganz aus dem Basiswissen zu tilgen.«

Quelle: Japan: Premier leugnet Zwangsprostitution, DRadio Wissen, 19.02.2013

Aber auf internationalen Druck zu hoffen ist vergebene Liebesmüh. Bereits Ende November 2012 hatte die SPD-Fraktion einen Antrag im Bundestag gestellt zur Anerkennung und Wiedergutmachung des Leids der „Trostfrauen“.

Der Antrag wurde von der schwarz-gelben Koalition abgelehnt.
Umso erstaunlicher, dass die Bundesregierung drei Wochen später einen Nationalen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Resolution 1325 verabschiedet. In der UN-Resolution werden „erstmals Konfliktparteien dazu aufgerufen, die Rechte von Frauen zu schützen und Frauen gleichberechtigt in Friedensverhandlungen, Konfliktschlichtung und den Wiederaufbau mit einzubeziehen.“

In dem von der Bundesregierung verabschiedeten Aktionsplan heißt es nun:

»Der Aktionsplan ist ein Beitrag zur Förderung von Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit weltweit. Die Umsetzung von Resolution 1325 trägt zur Durchsetzung von Menschenrechten von Frauen und Mädchen bei, wie sie in der Menschenrechtscharta der Vereinten Nationen […] niedergelegt sind.«

Quelle: Aktionsplan der Bundesregierung zur Umsetzung von Resolution 1325 des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen für den Zeitraum 2013 – 2016, 19.12.2012, S. 4, PDF-Datei, 664 KB

Warum die Bundesregierung drei Wochen vorher ihre Unterstützung der koreanischen Zwangsprostituierten verweigert hat, deren Menschenrechte gegenüber Japan durchzusetzen, kann ich nicht nachvollziehen.

So ist es kein Wunder, wenn Abe jede Verantwortung der japanischen Armee leugnen darf, ohne irgendwelche Konsequenzen fürchten zu müssen. Im Gegenteil, besaß sein Vorgänger doch die Frechheit zu fordern, das Mahnmal zum Gedenken an die koreanischen Zwangsprostituierten, das private Initiativen gegenüber der japanischen Botschaft in Seoul errichtet haben, entfernen zu lassen

Auf internationale Hilfe zu hoffen war und ist für Koreaner vergebene Liebesmüh. Und so werden nach und nach historische Fakten aus japanischen Schulbüchern entfernt, während Japan weiter darauf wartet, dass sich das „Trostfrauenproblem“ irgendwann mit dem Tod der letzten Überlebenden auf natürliche Weise erledigt.

Veröffentlicht von Daniel Sanghoon

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