Hier wohnen die Mongos

Wieder ein Beispiel für Rassismus, der von verantwortlicher Stelle verharmlost wird.

Auf einem Schnellboot der deutschen Marine wurde ein Vorgesetzter von mehreren seiner Unteroffiziere angegriffen. Zwischen den thailändischen Wurzeln des Vorgesetzten und den Worten „Hier wohnen die Mongos“ soll es keinen Zusammenhang geben, da es sich bei dem Wort „Mongo“ laut eines Sprechers des Verteidigungsministeriums nicht um ein Schimpfwort für Asiaten handle.

Klar, wir wissen natürlich alle, dass mit „Mongo“ ja keine Asiaten gemeint sind:

„Mongo“ ist die Abkürzung für die bis 1965 gängige medizinische Bezeichnung „Mongoloid“ und wird in der Jugendsprache als derbes Schimpfwort synonym für Depp bzw. Idiot verwendet.
Früher war der Begriff „Idiot“ bzw. „Idiotie“ ein Fachbegriff für Menschen mit schweren geistigen Beeinträchtigungen. Heutzutage taucht der Begriff in der medizinischen Nomenklatur nicht mehr auf – genauso wenig wie Mongoloid. Gängige Bezeichnungen hierfür sind heute: „Down-Syndrom“ und „Trisomie 21“.

Quelle: http://www.sprachnudel.de/woerterbuch/mongo

Warum Menschen mit Down-Syndrom so genannt wurden, wird hier erklärt:

(Geschmacklose) Beleidigung, dessen Wortursprung von „Mongole“ kommt, der frühere Name der Erbkrankheit Down’s Syndrom.
„Echte“ Mongolen aus der Mongolei, ein Land in Asien, haben teilweise ähnliche Gesichtszüge wie Menschen mit Down-Syndrom, z.B. mandelförmige Augen. Daher kam der Name „Mongole“ für einen Menschen mit Down-Syndrom. Inzwischen ist dieser Name veraltet.

Quelle: http://mundmische.de/bedeutung/311-Mongo

Ups. Die Bezeichnung „Mongo“ hat ja doch was mit Asiaten zu tun! Nicht nur das: Wegen dieser „typischen“ Gesichtszüge wurden früher bestimmte asiatisch-stämmige Menschen als „Mongoliden“ bezeichnet, als die Menschheit noch in unterschiedliche Rassen eingeteilt wurden (aufgeklärte Menschen wissen, dass es wissenschaftlich längst nicht mehr haltbar ist, den Homo sapiens in weitere Unterarten aufzuteilen):

Mongoliden, veralteter typologisch-rassensystematischer Begriff für die geografischen Varianten der indigenen Bewohner v. a. Zentral-, Ost- und zum Teil auch Südasiens.

Quelle: http://web.archive.org/web/20071224020857/http://lexikon.meyers.de/meyers/Mongoliden

Es ist ja nicht so, als ob asiatisch-stämmige Menschen noch nie den Ausruf „Mongo“ gehört hätten. Aber nein, das ist ja auch überhaupt nicht rassistisch gemeint!

Äußerst bedauerlich ist, dass es inzwischen sogar eine Restaurantkette mit dem Namen „Mongo’s“ gibt. Ein Blick ins Impressum verrät allerdings, dass die Betreiber nicht aus der Mongolei stammen, was wiederum erklärt, warum sie mit den Namen kein Problem haben (das erinnert mich an die Bar in Südkorea mit dem schönen Namen „Hitler“, über die ich auch noch mal bloggen wollte).

Egal, ob „Mongolid“ oder „Mongoloid“: Ich denke, diejenigen, die es betrifft, wissen, dass der Begriff „Mongo“ abwertend, verächtlich, ausgrenzend und beleidigend gemeint ist und allein auf das Aussehen der Adressierten abzielt.

Aber hey, vielleicht darf ich in Zukunft ja auch durch die Gegend laufen, meinen rechten Arm heben und laut „Heil Deutschland!“ rufen.
Ist ja schließlich kein rechtsextremer Spruch, weil, man sieht mir ja an, dass ich kein Nazi, sondern nur ein „Mongo“ bin.

P.S. 1: „Jugendsprache“? Beschäftigt die Marine jetzt Jugendliche?

P.S. 2: Und ein „ausländerfeindlicher Hintergrund“ (siehe SZ-Artikel) liegt hier natürlich auch nicht vor, schließlich handelt es sich beim Opfer um einen Deutschen(!). Dass der Vorfall trotzdem rassistisch ist, kann nur verneinen, wer auf beiden Augen blind ist.

P.S. 3: Auf Facebook wurde ich auf das Video der Tagesschau hingewiesen, das auf der oben verlinkten Seite zu sehen ist.

In dem Video heißt es, dass der asiatisch-stämmige Vorgesetzte seine Unteroffiziere selbst zuerst als „Mongos“ betitelt hätte und diese sich damit gerächt hätten, dass sie dem Vorgesetzten die Worte „Hier wohnen die Mongos“ aufs Bein schreiben. Insofern eine durchaus nachvollziehbare Retourkutsche.

Dazu meine Antwort:

Dass der Vorgesetzte selbst andere mit dem Begriff „Mongo“ betitelt, sagt natürlich auch einiges über den Vorgesetzten aus. Nämlich, dass dieser nicht rassismusfrei ist, sondern den Rassismus, den (andere) asiatisch-stämmige Menschen erleben, offenbar an seinen Untergebenen auslässt.

Richtige Reaktion der Unteroffiziere wäre gewesen, dass sie ihn auf den Rassismus hinweisen, ihn möglicherweise melden.

Falsch ist, sich an einem Vorgesetzten auf diese körperliche Weise zu rächen.

Noch falscher ist, sich auch noch an diesem Rassismus zu beteiligen.

Ganz falsch ist, den Rassismus zu verneinen, weil ja der asiatisch-stämmige Vorgesetzte diesen Begriff zuerst benutzt hat.

Die Frage ist für mich, was ist das für ein Klima, in dem Begriffe wie „Mongo“ ohne weiteres durchgehen.

Und um die Antwort vorwegzunehmen: Ja, in der Bundeswehr herrscht ein Klima, in der sexistische und rassistische Begriffe ganz normal sind. Und nicht, weil die Soldaten alle Rassisten und Sexisten sind. Sondern weil wir nicht darüber aufgeklärt werden, welche Bedeutung diese Begriffe haben und welcher Geisteshaltung sie entspringen.

Und ehrlich, als ich selbst bei der Bundeswehr war, kam mir einiges komisch und irgendwie falsch vor. Aber bezeichnen konnte ich das damals nicht. Erst jetzt weiß ich, dass man solche Sprüche als sexistisch oder rassistisch bezeichnet.

Die Bundeswehr tut nicht gut daran, einfach untätig zuzusehen.

Veröffentlicht von Daniel Sanghoon

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1 Kommentar

  1. Nein… natürlich ist das kein Rassismus. Hören Sie auf die ‚Nazi keule‘ zu schwingen (oh mann wie ich dieses Wort hasse)

    In Deutschland gibt es doch kein Rassismus Problem, sondern ein Integrationsproblem. Wahrscheinlich wollte der Mongo sich nicht in die Flotte integrieren und die Kameraden wollten ihm nur dabei behilflich sein, das er sein Position bewusst wird.

    Es reicht doch aus das das arme Volk ein Asiatisch aussehenden Minister dulden muss (wie lange noch war die Frage).