Woher kommst du wirklich her?

Cartoon: Aber ich sehe doch...

Aber ich sehe doch…

In den letzten Wochen sind auf ZEIT Online wieder einige Artikel erschienen, die sich mit der Frage „Woher kommst du?“ beschäftigen. Diese Artikel nerven mich mittlerweile, weil sie einen in meinen Augen wichtigen Aspekt völlig außen vor lassen, der aber wichtig ist, um zu verstehen, wann und warum diese Frage rassistisch ist: Sie gehen nicht konsequent darauf ein, WARUM Biodeutsche uns diese Frage stellen.

Der folgende, seeeeeeeeehr lange Text, ist übrigens geschrieben aus der Perspektive eines in Deutschland geborenen Menschen mit sogenanntem Migrationshintergrund, der sich in Sachen Sprache, Werte und Kultur nicht hinter irgendwelchen Biodeutschen verstecken muss und der sogar seinen Wehrdienst für sein deutsches Vaterland geleistet hat.

Zunächst einmal:

«Rassismus bedeutet strukturelle Diskriminierung von Menschen mit Bezug auf zugeschriebene „Hautfarben“, „Ethnien“, „Kulturen“, Migrationshintergründe, Sprachen.»

Leah Carola Czollek, Gudrun Perko, Heike Weinbach (2012): Praxishandbuch Social Justice und Diversity, S. 152.

Der Begriff „Rassismus“ beschreibt demnach erst einmal nur ein bestimmtes Verhalten, ohne danach zu fragen, ob das Verhalten absichtlich oder unabsichtlich oder aus welchen Gründen auch immer erfolgte.
Einen Rassisten definiere ich dagegen als einen Menschen, der sich bewusst(!) rassistisch verhält.
Deshalb kann mensch sich rassistisch verhalten, ohne zwangsläufig ein Rassist zu sein.
Dagegen handelt ein Rassist immer rassistisch.

Deutsches Volk, deutsches Blut

Die Frage „Woher kommst du eigentlich wirklich her?“ ist nicht per se rassistisch und bei weitem nicht so nervig wie das Unverständnis dafür, dass hinter dieser Frage völkisches Gedankengut steckt, WENN sie gestellt wird im Sinne von „woher kommst du wirklich her, weil ich SEHE ja, dass du ein Asiate und KEIN Deutscher bist; wir Deutsche sind ja weiße Mitteleuropäer und du bist ja keiner, sondern ein Asiate, also kannst du folglich, was die Abstammung/die Herkunft anbetrifft, kein Deutscher sein“.

Jeder Mensch, der mit mir spricht, hört sofort, dass ich kein Ausländer bin. Wenn ich ein koreanischer Tourist wäre, ein Auslandsstudent oder der Manager einer koreanischen Firma im Auslandseinsatz (bei Weißen auch gerne Expatriate/Expat genannt), wäre diese Frage nicht ausgrenzend, denn in den genannten Beispielen würde ich keinen Anspruch erheben, ein Deutscher zu sein.

Aber als hier geborener und aufgewachsener Mensch mit deutscher Staatsbürgerschaft ist das etwas anderes. Denn ich bin ein Deutscher. Doch mit dieser Frage wird indirekt davon ausgegangen, dass Deutschsein etwas mit einer biologischen Abstammung zu tun habe. Deutsches Volk, deutsches Blut halt.
Und in mir fließt offensichtlich kein deutsches Blut. Vielleicht besteht ja deswegen häufig ein sooooooooooooooooooo großes Interesse an der Herkunft meines Blutes. Weil fremdes Blut muss exotische Geschichten zu erzählen haben!

Und wenn sie dann endlich(!) hören, dass meine Eltern aus Korea stammen, bin ich natürlich sofort ihr Experte für Korea, weil, das Wissen darüber habe ich ja quasi mit der Muttermilch aufgesogen.

Und wenn ich dann offenbare, dass ich nicht wirklich viel Ahnung habe von koreanischer Kultur und nicht mal die Sprache richtig spreche, kommen die mitleidvollen Blicke:
„Das ist aber schade.“
Oder
„Du musst dich doch nicht für deine Herkunft schämen…“

Doch, manchmal muss ich mich schämen, ein Deutscher zu sein.

Ups, ich bin ja kein Deutscher, ich Dummerchen. Zumindest nicht, was die Abstammung anbetrifft.

Warum ist es mir so wichtig, Deutscher zu sein?

Mir ist es nicht wichtig, ein Deutscher zu sein. Mir ist es wichtig, Teil der Bevölkerung zu sein, mit der ich lebe. Und das ist nunmal die deutsche Bevölkerung, das deutsche Volk. Deswegen will ich als Deutscher betrachtet und behandelt werden.

Normalerweise werden Menschen in eine Gesellschaft hineingeboren und wachsen als selbstverständliches Mitglied dieser Gesellschaft auf. Sie werden nicht gefragt, wer sie sind, noch werden sie gefragt, woher sie denn kämen. Sie sind per Geburt Deutsche. Da gibt es in der Regel keine Zweifel.

Bei mir war es so, dass mein Umfeld fast drei Jahrzehnte lang auf mich eingeredet hat, ich sei ein Koreaner, obwohl ich hier in Deutschland geboren bin. Dies wäre insofern kein Problem, wenn ich auch tatsächlich ein Koreaner im kulturellen Sinne wäre und sein könnte. Also einer, dessen Muttersprache Koreanisch ist, der die koreanische Kultur und Sitten kennt, der die koreanischen Werte lebt bzw. sich mit ihnen auseinandersetzt. Der bin ich aber nicht.

Dazu kommt, dass die Öffentlichkeit inzwischen von sogenannten Migranten fordert, sich an die deutsche Kultur anzupassen, sich zu integrieren. Manche sprechen sogar von Assimilation. Und tatsächlich erfülle ich im Grunde bereits alle möglichen Anforderungen, die an eine vermeintlich erfolgreiche Integration geknüpft werden. Nur, was das Ergebnis einer erfolgreichen Integration sein soll, das erzählt dir niemand.

Denn die ständigen Fragen, woher ich denn wirklich stamme, weil man ja sehen könne, dass ich kein Deutscher sei, machen nur deutlich, dass ich vielleicht erfolgreich integriert bin. Nur ein Deutscher bin ich nach Ansicht der Mehrheitsgesellschaft trotzdem nicht. Deutscher Staatsbürger, ja. Aber ein Mitglied des deutschen Volkes? Nein. Das war wohl auch nie gemeint mit „Integration“.

Ich war bei meiner Geburt ein sogenannter Migrant, ich bin auch nach meiner „erfolgreichen“ Integration ein Migrant geblieben. Welchen Zweck hat dann Integration, wenn sich mein Status dadurch nicht ändert?

Als Kind war ich ein Ausländer und wurde wie ein Deutscher behandelt.
Jetzt bin ich ein Deutscher und werde wie ein Ausländer behandelt.

Eigenzitat

Dabei bin ich kein Migrant. Ich bin ja von nirgendwo eingewandert. Das ist die Geschichte meiner Eltern, nicht meine. Wenn ich mal die Heimat meiner Eltern besuche, dann falle ich optisch nicht sofort auf. Erst wenn ich anfange zu reden, stoße ich auf Verwunderung. Ob ich aus Japan stamme, weil mein Koreanisch so schlecht ist. Und wie ich esse! Mit geschlossenem Mund! Und weiß er nicht, wie man sich hier in Korea benimmt?

All das macht mir deutlich, dass ich vielleicht ein biologischer Koreaner bin. Aber mit der Kultur dort habe ich nicht mehr viel gemein. Meine Heimat ist Deutschland. Nur Deutschland will mich nicht. Zumindest mich nicht zum deutschen Volke zählen. Das soll scheinbar immer noch den Biodeutschen vorbehalten sein. Warum werde ich sonst immer noch nach meiner eigentlichen, wirklichen Abstammung gefragt, die ja offenbar nicht deutsch sein darf?

„Aber ich sehe doch, dass du ein Asiate bist…“

Dabei ist auch das keine Selbstverständlichkeit, dass ich mich selbst als Deutschen betrachte. Ich habe mit mir selbst ringen müssen, bis ich endlich akzeptiert habe, dass ich mehr Deutscher bin als Koreaner.
Und es hat sich am Anfang komisch angefühlt, laut zu sagen: ich bin ein Deutscher.

Dabei möchte ich schlicht und einfach das, was Biodeutsche schon immer sind: Teil einer Gesellschaft sein, ohne mich beweisen, ohne mich rechtfertigen zu müssen.

Die Frage, woher ich stamme, begleitet mich mein Leben lang. In der Schule, in der Straßenbahn, auf der Straße, im Geschäft, bei Freunden, im Sportverein, …
Die Frage ist eher, wo und wann wurde ich nicht gefragt?
Und wenn du dein Leben lang gefragt wirst, woher du denn kommst, dann ist die Frage nach der Herkunft, der „Heimat“, eine wichtige Frage, ein wichtiger Teil von dir. Und wenn die Antwort nicht mehr „Korea“ lautet, dann entsteht eine Lücke, die gefüllt werden muss. Und die lautet nunmal „Deutschland“. Ich stamme aus Deutschland.

Aber: solange diese „völkische“ Vorstellung vom deutschen Volk als NORMAL betrachtet wird (deutsches Volk = weiße mitteleuropäische Rasse mit einer derart komplexen und hochentwickelten Kultur, die von den armen Migrantenkindern natürlich nur unter größten Anstrengungen vielleicht nur ansatzweise adaptiert werden kann; oder warum werden wir sonst immer dafür gelobt, so gut Deutsch sprechen zu können – für Menschen wie mich scheint das ja eine besondere Leistung zu sein, was für Biodeutsche natürlich eine Selbstverständlichkeit ist), wird natürlich auch die Frage nach der Herkunft von diesen Menschen nicht rassistisch gedeutet (weil es ja normal ist, dass der Deutsche und die Person of Color nicht derselben Rasse Ethnie Rasse angehören), sondern nur als gutgemeinte Neugier für das exotisierte (hach, diese Asiaten!) oder auch bemitleidenswerte (ach, diese Araber!) Anderssein interpretiert.

Mehrfachidentitäten

Aber wenn die Koreaner „mein“ Volk sind, folgt daraus dann nicht, dass ich mich in Zukunft mit „meinem“ Volk beschäftigen, „meine“ Kultur und Sprache lernen und ich mich mit Korea identifizieren sollte statt mit Deutschland? Dann käme vielleicht auch ein lockeres „Hey, ich komme aus Korea!“ aus meinem Munde.

Warum muss ich mich denn eigentlich zwischen deutscher und koreanischer Identität entscheiden?
Muss ich das?
Kann ich nicht, wie ich von Horst Seehofer gelernt habe, ein Koreaner UND ein Deutscher sein? Denn Seehofer, so habe ich ihn verstanden, versteht sich als Deutscher UND als Bayer. Klar, Bayern gehört zu Deutschland. Aber nicht jeder Deutscher ist damit auch ein Bayer. Oder ein Sachse. Oder ein Friese, Hesse, Rheinländer, Westfale, etc.
Das heißt, es ist offenbar möglich, selbst als Deutscher mit mehreren und unterschiedlichen Identitäten zu leben.
Hey, die Bayern haben sogar eine eigene Bayern-Hymne!

Dass wir uns nicht falsch verstehen: Der Korea-Anteil ist bei mir nicht sehr groß. Er ist trotzdem vorhanden. Auch wenn ich mich als Deutschen sehe und bezeichne. Immerhin habe ich noch Verwandte in Korea. Dabei kann es auch anstrengend sein, mehreren Kulturen anzugehören, besonders, wenn sich kulturelle Elemente widersprechen. Dann können Konflikte entstehen, die entweder im Privaten ausgetragen werden (Konflikte, die keiner sieht), oder irgendwann die Öffentlichkeit erreichen (Konflikte, die dann in der Zeitung stehen).

„Ist es denn wichtig, was andere über mich denken? Sei doch einfach, wer du sein willst!“

Nein, es ist mir eigentlich nicht wichtig, was andere über mich denken – wenn man mich denn sein ließe, wer ich sein möchte. Ich bin nicht damit einverstanden, dass andere bestimmen dürfen, wer ich zu sein habe. Kann ich denn kein Deutscher sein, wenn ich mich selbst als Deutscher sehe?

Leider sieht das die Mehrheit der deutschen Gesellschaft offenbar anders. Und mit deutscher Gesellschaft meine ich jetzt sowohl Biodeutsche als auch Deutsche mit sogenanntem Migrationshintergrund als auch Ausländer. Die Mehrheit von ihnen sieht in mir den Asiaten, vielleicht noch den hier Geborenen, den hier Aufgewachsenen, den hier Sozialisierten. Aber nicht den Deutschen.

Vielleicht haben sie es rational verstanden, dass ich ein Deutscher bin. Aber sie fühlen es nicht. Und ich lebe nun mal nicht auf einer einsamen Insel, wo die Werturteile anderer keinen Einfluss auf mein Leben haben.

Aber Moment, habe ich nicht weiter oben geschrieben, dass ich auch Koreaner bin? Also bin ich doch kein richtiger Deutscher, oder?

Was ist denn ein „richtiger“ Deutscher?
Ist ein „richtiger“ Deutscher ein „reiner“ Deutscher? Frei von „fremden“ kulturellen Einflüssen? Frei von „fremden“ biologischen Einflüssen?

Über diese Fragen müssten Journalisten nachdenken und Politiker mit uns allen diskutieren.
Über die Frage, wer sind wir Deutsche?
Angesichts der Tatsache, dass wir schon längst eine Einwanderungsgesellschaft sind, wäre aber folgende Frage noch wichtiger:

Wer wollen wir Deutsche denn in Zukunft sein?

Im Moment bestimmen die Mehrheitsgesellschaft, die Politik und die öffentliche Meinung, wer ich bin, wer ich zu sein habe. Es sind Institutionen, die bestimmen, dass selbst meine Kinder einmal Menschen mit Migrationshintergrund sein werden. Weder ich bestimme das selbst, noch werden eines Tages meine Kinder festlegen, wer sie sind. Es sind andere, Biodeutsche, die das bestimmen werden.

Ich kann noch so oft sagen, ich sei ein Deutscher. Verstanden wird aber nur: Deutscher Staatsangehöriger.

Diese Deutungshoheit weist auf die hier herrschenden Machtverhältnisse hin, die wiederum Menschen veranlassen zu sagen, dass Migranten Biodeutsche nicht rassistisch diskriminieren können, weil „uns“ Migranten schlicht die Macht fehlt, einen derartigen Definitionsdruck auf Biodeutsche auszuüben wie sie Biodeutsche auf uns ausüben.

Dabei gibt es eine Situation, in der würde ich mich über die Frage nach meiner biologischen Herkunft freuen: nämlich wenn wir in einer Gesellschaft leben würden, in der ich darauf vertrauen kann, dass meine Mitmenschen mich ganz selbstverständlich als ihren deutschen Landsmann betrachten, egal, was ich tue, wie ich aussehe, oder dass ich nicht nur Deutscher, sondern auch Koreaner bin.
Ohne, dass mein Deutschsein dabei hinterfragt wird.
Ohne, dass ich mein Deutschsein erst beweisen muss.

Selbst wenn ich mich in der Öffentlichkeit daneben benehmen würde, würde niemand dies mit meiner (biologischen) Herkunft in Zusammenhang bringen. Wenn ich als Mann eine Frau belästige, dann, weil ich ein schlecht erzogener Mann bin. Aber nicht, weil ich als Koreaner aus einer patriarchalischen Kultur entstamme.

Sehen wir uns doch mal nur Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt an. Ein Trio, das 10 Menschen ermordet, Raubüberfälle und ein Nagelbombenattentat verübt haben soll. Wie barbarisch will mensch noch gegen unsere Werte und Gesetze verstoßen? Das sind Terroristen! Und doch wird ihr Handeln niemals mit ihrer Kultur oder Herkunft in Verbindung gebracht noch wird ihnen ihr Deutschsein abgesprochen. Denn als Biodeutsche, Deutsche biologischer Abstammung müssen sie ihr Deutschsein weder beweisen noch sich dessen würdig erweisen. Selbst bei so abscheulichen Verbrechen nicht. Niemand sagt, wer solche Verbrechen begeht, ist kein Deutscher mehr. Nicht bei Beate Zschäpe und Co.

Menschen wie ich dagegen, wir müssen uns stets erklären. Nicht erst, wenn wir Verbrechen begehen. Nein, allein unsere Anwesenheit erfordert bereits eine Erklärung, eine Rechtfertigung. Wer das nicht schon in der Schule zu spüren bekommen hat, macht diese Erfahrung spätestens im Berufsleben.

Und vor diesem Hintergrund steht die Frage „Woher kommst Du wirklich her?“ nicht für naiv-unschuldige Neugier, sondern für eine Bestätigung des biologisch definierten Verständnisses vom Deutschen (Wir Deutschen) und Nicht-Deutschen (Ihr Migranten).

Erst wenn ich auch als Verbrecher noch Deutscher bin (und nicht Deutschkoreaner, nur um anzudeuten, dass ich kein biologischer Deutscher bin und daher möglicherweise eine Verbindung zur patriarchalischen Kultur meiner biologischen Heimat besteht), werde ich mich über die Frage nach meiner biologischen Herkunft freuen.

Mehr Realitätssinn bei Rechten

Noch ein Gedanke, der mich bei diesem Thema nicht loslässt:

Ich bin überzeugt, dass besonders die Rechten in Deutschland realisiert haben, dass eine erfolgreiche Integration zu einem veränderten Volksverständnis führen muss. Das Staatsangehörigkeitsrecht wurde ja schon dahingehend geändert, dass hier Geborene die deutsche Staatsbürgerschaft leichter erhalten können als solche, die im Ausland geboren wurden. Das heißt, das „deutsche Volk“ wird sich eines Tages nicht mehr allein über die Abstammung, das „Blut“, definieren lassen. Menschen wie ich werden dann eines Tages auch als „richtige“ Deutsche gezählt.

Das aber ist genau die Angst von Menschen, die – bewusst oder unbewusst – immer noch von einem deutschen Volk als einer homogenen Gruppe von weißen, mitteleuropäischen Menschen ausgehen. Nur in dieser Form fühlt es sich für diese Menschen richtig an. Das haben sie so verinnerlicht. Wir sind dabei, dieses Weltbild zu verändern, ohne dies aber bewusst zu steuern, zu managen. Menschen sollen implizit ihre aus meiner Sicht vorsintflutliche Vorstellung vom deutschen Volk aufgeben – ohne eine konkrete, attraktive Alternative. Eben weil wir nicht öffentlich darüber reden, wie wir als Deutsche in Zukunft gemeinsam leben wollen und warum. Und die Menschen spüren, dass da was auf sie zukommt, ohne dass sie darin ein Mitspracherecht erhalten. Sie gehen dann auf die Straße, und ich sage euch, sie gehen zurecht auf die Straße.

Aber hey, was soll ich sagen? Wir „Migranten“ sind es ja gewohnt, dass andere bestimmen, wer wir zu sein haben. Willkommen im Club!

Reicht es nicht, wenn sich die Migranten hier einfach anpassen?

Nein, das reicht nicht, denn solange wir Menschen nach ihrem Aussehen bzw. ihrer biologischen Herkunft her unterscheiden, werden Menschen wie ich immer nur als „fremd“ und „nichtdeutsch“ wahrgenommen. Schwarze Deutsche können ein langes Lied davon singen.

Auch der jüngste Vorstoß zu einer Leitkulturdebatte ist für mich nur der halbherziger Versuch, dieses Vakuum einer fehlenden Alternative zu füllen. Es werden Punkte aufgezählt, die für die deutsche Gesellschaft identitätsstiftend sein sollen. Doch auch in diesem Fall wird nicht darüber gesprochen, wer das „deutsche Volk“ sein soll. Es fehlt der Mut, darüber zu reden. Stattdessen spricht Bundesinnenminister Thomas de Maizière von «Staatsbürgerinnen und Staatsbürger unseres Landes». Er spricht von Deutschland, aber nicht von „den Deutschen“. Sein Beitrag richtet sich ganz deutlich an uns „Migranten“, aber nicht wirklich an Biodeutsche.

Es fehlt eine klare Vision, wer das deutsche Volk ist oder sein soll, und dass das deutsche Volk letzten Endes nicht mehr allein durch die Biologie definiert wird (manchmal habe ich das Gefühl, für viele Deutsche ist das Thema „deutsches Volk“ einfach nur ein Igitt-Thema, über das nicht offen gesprochen wird, wenn mensch nicht als Rechter gelten will). Vor allem fehlt eine Begründung für das Herz, warum es für den einzelnen Biodeutschen toll sein soll, dass die Biologie keine Rolle mehr spielt und sich das Verständnis vom deutschen Volk ändern soll.

Und sagt mir nicht, wir wären schon längst soweit. Es gibt viele Argumente, Zahlen und Studien, die uns sagen wollen, dass Integration und Vielfalt gut seien. Doch diese sprechen nur unseren Verstand an, nicht unser Herz, nicht unseren Bauch. Unser Kopf mag sagen, dass Zuwanderung Sinn ergibt. Doch noch fühlen wir es nicht. Denn wäre dem so, würden Menschen zu mir sagen:
„Hey, ich HÖRE, dass du ein Deutscher bist wie ich.“
Punkt.
Stattdessen sagen sie:
„Ich HÖRE, dass du wie ein Deutscher sprichst, aber ich SEHE, dass du kein Deutscher, sondern ein Asiate bist. Erkläre dich!“

Dass die Biologie nicht mehr entscheidet, wer Deutscher ist, fürchten diejenigen, die ihre nationale Identität vor allem aus dem Biologischen ableiten. Sprache allein reicht nicht, um Deutsch zu sein. Und wenn ich das verstanden habe, dann verstehe ich auch, warum einige Menschen vom großen Austausch des deutschen Volkes fabulieren.

Mein Fazit:

Deutsches Volk… Wahrscheinlich haben die meisten hier Probleme, vom „deutschen Volk“ zu sprechen, oder? Es klingt so nationalistisch, so abstoßend und irgendwie nach einer Zeit, die wir schon längst überwunden geglaubt hatten.

Nur, jeder, der mich fragt, woher ich denn nun wirklich stamme, weil man ja sehen könne, dass ich ein Asiate sei und kein Deutscher, unterliegt damit – ob er sich dessen bewusst ist oder nicht – der Vorstellung von einem deutschen Volk, das sich über biologische Eigenschaften definiert und nicht über Sprache, Kultur, Werte, etc. Denn an Sprache, Kultur und Werten kann es nicht liegen, dass ich nicht als Deutscher wahrgenommen werde.

Und den biologischen Teil, der mich zu einem „richtigen“ Deutschen macht, kann ich nicht liefern. Das ist der letzte Schritt im Integrationsprozess, den die Mehrheitsgesellschaft gehen muss, nicht ich. Mich aber wegen der Biologie vom deutschen Volk auszuschließen, ist rassistisch, weil ich dann aufgrund meiner zugeschriebenen „Ethnie“ oder „Hautfarbe“ anders und damit ungleich behandelt werde. Obwohl ich doch auch ein Deutscher bin.

Dies ändern kann nur die Mehrheitsgesellschaft selbst, wenn sie endlich begreift, dass Deutschsein nichts mit Biologie zu tun hat. Erst dann kann Integration wirklich erfolgreich sein. Und dann ist die Frage nach meinen ethnischen Wurzeln eine, die ich gerne beantworte.

Diese deutsche Gesellschaft ist nicht mehr dieselbe Gesellschaft wie vor 50 Jahren. Wir sind jetzt eine Einwanderungsgesellschaft. Und deswegen brauchen wir eine neue Vision, ein gemeinsames Narrativ, das uns als Gesellschaft vereint, mit dem wir uns alle identifizieren können.

I have a dream…
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Zum Schluss noch meine Anmerkungen zu den Artikeln in der ZEIT:

Mit dem Artikel von Henning Sußebach fing es an:

«Falls jemand auf „Wo kommst du eigentlich her?“ mit „aus Hamburg-Altona“ antwortet, hake ich also nicht nach. Wenn ich mir das Recht auf eine Frage zubillige, muss ich auch jede Antwort akzeptieren.»

Henning Sußebach: Rassismus: Wo kommst du eigentlich her?, 10.05.2017

In diesem Kontext und so gemeint ist die Frage „Wo kommst du eigentlich her?“ nicht rassistisch.

«Ausgerechnet dort, wo ich die größte Diskriminierungswut vermute, in den Problemvierteln der Städte, in mit Korankacheln gefliesten Dönerbuden oder bei radebrechenden, prekär beschäftigten Taxifahrern, bekomme ich auf die Frage die lässigsten Antworten: „Aus’m Libanon, Digga!“, „Ghana, Alder!“»

Ich selber habe auch lange Zeit geantwortet, dass ich Koreaner sei. Ich dachte auch lange Zeit, Rassismus ist ein Problem, das „die Türken“ haben. Aber ich doch nicht. Bis ich mit Mitte Dreißig erst angefangen habe, mich mit dem Thema zu beschäftigen und ich gelernt habe, was Rassismus eigentlich ist, wie Rassismus wirkt, und dass ich selbst schon häufig genug rassistisch diskriminiert worden bin, ohne es zu merken oder zu begreifen. Und wer kein stolzer Deutscher sein kann (ui, stolz und Deutsch in einem Satz…), der ist dann halt ein stolzer Koreaner. Oder so. Letztendlich können die oben zitierten „lässigen“ Antworten vieles bedeuten. Dass diese Menschen keinen Rassismus erfahren, bedeuten sie nicht.

«Der zweite Mann auf der Bühne, Michel Abdollahi, der Journalist und Künstler, vor dessen Wortgewalt ich am meisten Angst gehabt hatte. Dieser Abdollahi startete gleich mit einem Fauxpas in den Abend. Er fragte den Politiker Ilkhanipour, in welchem Alter er nach Deutschland gekommen sei – der blaffte in AfD-artiger Empörung zurück: „Ich! Bin! Hier! Geboren!“ Sehr komisch.

Aber Abdollahi redete einfach weiter und erzählte, dass er auch Jugend- und Stadtteilarbeit macht. Er sagte, für sein Engagement sei das Wissen um die Herkunft wichtig. Kinder iranischer Einwanderer hätten in Deutschland andere Probleme als Nachkommen von Nordafrikanern. Es gebe zig verschiedene Kulturkreise, manche offen, andere verschlossen, jeder mit unterschiedlicher Migrationsgeschichte, mit anderen Hoffnungen und Verletzlichkeiten. Es wäre ignorant, das zu ignorieren.»

Der Text macht deutlich, was der Autor nicht versteht: Es geht nicht darum, zu ignorieren, dass ich koreanische Wurzeln habe. Es geht darum, dass das kein Ausschlusskriterium für mein Deutschsein ist (siehe Stichwort Mehrfachidentitäten).

Was ich bislang noch gar nicht erörtert habe, ist, dass Menschen mit sogenanntem Migrationshintergrund keine homogene Masse sind. Es sind…

    • Menschen, die hier geboren sind, denen wir aber dennoch einen Migrationshintergrund zuschreiben, die in einem engen Kontakt mit Menschen aus ihrer Herkunftsgemeinschaft leben (so wie bei vielen türkeistämmigen Menschen)
      Menschen, die hier geboren sind, denen wir aber dennoch einen Migrationshintergrund zuschreiben, die keinen engen Kontakt mit Menschen aus ihrer Herkunftsgemeinschaft haben, weil deren Gemeinschaft sehr klein ist (so wie die koreanische Gemeinschaft)
      Menschen, die im Ausland geboren worden sind und als Kleinkinder nach Deutschland kamen
      Menschen, die im Ausland geboren worden sind und als Jugendliche nach Deutschland kamen
      Menschen, die im Ausland geboren worden sind und als Erwachsene nach Deutschland kamen
      Menschen, die im Ausland geboren worden sind und als Geflüchtete nach Deutschland kamen
      Menschen, die im Ausland geboren worden sind und alleine nach Deutschland kamen
      Menschen, die im Ausland geboren worden sind und mit Familie nach Deutschland kamen
      Menschen, die…
  • Wir müssen zwischen diesen Menschen differenzieren, weil sie alle unterschiedliche Erfahrungen und Erlebnisse, unterschiedliche Motive und Erwartungen, unterschiedliche Bildung, Fähigkeiten und Ziele mitbringen. Und selbst die Kategorien, die ich hier mal grob aufgezählt habe, lassen sich noch weiter nach Geschlecht, Kultur, Religion und was-weiß-ich-was unterscheiden. Im richtigen Kontext ist es also richtig, nach der Herkunft zu fragen, ohne dass dies gleich rassistisch ist. Denn der im Text erwähnte Abdollahi fragt nicht nach der Herkunft, um zwischen Biodeutschen und Nicht-Biodeutschen zu unterscheiden, sondern um den individuellen Integrationsprozess zu verstehen. Integration ist keine Massenware, kein Prozess, der für jeden gleich abläuft. Es ist in der Tat ignorant, das nicht zu sehen.

    Und nebenbei bemerkt: Es gibt natürlich auch Menschen, die wollen gar keine Deutsche sein und sehen sich auch nicht als Deutsche. Diese Menschen haben natürlich auch kein Problem damit, wenn sie nach ihrer Herkunft gefragt werden.

    Kommen wir zur Replik auf ZEIT Online (ich weiß, es gab auch Texte woanders, die ich aber nicht gelesen habe, weil ich mich mit der Thematik eigentlich nicht mehr auseinandersetzen wollte):

    «Wir können uns an keine erkenntnisreichen Momente nach der Herkunftsfrage erinnern, manche Leute geben sich schon zufrieden, wenn wir ihnen einfach das Land nennen, das Erklärung bietet. Es geht selten um wirkliche Neugier, sie wollen uns einordnen. Die größte Erkenntnis, die wir durch dieses immer gleiche Ritual gewonnen haben: Wir gehören nicht richtig dazu. Wir sind fremd.»

    Susan Djahangard, Jean-Pierre Ziegler: Diskriminierung: Fragt mal was anderes!, 23.05.2017

    Genau darum geht es.
    Uns einzuordnen.
    Weil wir ja keine Biodeutschen sind.
    Was sind wir dann? Denn einfach „Deutsche“ können wir ja nicht sein.
    Und warum fühlen wir uns nach solch einer Einordnung fremd? Weil wir spüren, warum wir gefragt werden. Weil wir das unausgesprochene Bild vom „deutschen Volk“ kennen.

    «Hunderte Kilometer fahre ich zu einem Treffen Afrodeutscher in ein Dorf bei Kassel. Ich fand es vorher albern, dass sich Schwarze als Brüder und Schwestern bezeichnen. Doch bei diesem Treffen fühle ich mich Fremden verbunden. Als wären wir tatsächlich zusammen aufgewachsen.»

    Und genau hier liegt in meinen Augen die Basis für jede Parallelgesellschaft: Sie geben uns ein Gefühl der richtigen Heimat, das uns die Mehrheitsgesellschaft verweigert. Wir müssen uns dort nicht erklären, wir erkennen gleich die Gemeinsamkeiten. Das ist nicht allein die ähnliche äußere Erscheinungsform. Es geht schon damit los, dass niemand dich angafft, als wärst Du eine Zooattraktivität. Du wirst nicht aufgrund deiner vermeintlichen Rassenzugehörigkeit beurteilt, denn dort, wo Heimat ist, wirst Du als gleichwertiger und dazugehöriger Mensch behandelt. Als Fremder vielleicht, aber nicht als Ausländer. Biodeutsche kennen in der Regel nicht das Gefühl, von anderen Biodeutschen als Ausländer im eigenen Land behandelt zu werden.

    «Den Nahen Osten hatten wir in Erdkunde nie. Ich habe vieler solcher Momente erlebt, sollte Sätze auf Farsi übersetzen, erklären, wie wir Neujahr feiern. Auf die meisten dieser Fragen hatte ich keine Antwort. Als Jugendliche war mir das peinlich. Deshalb fing ich an zu lernen. Kaufte mir Bücher und schrieb eine Hausarbeit über die Revolution. Immer wieder schaute ich mir die Seite im Atlas an. Iran. Armenien. Aserbaidschan. Turkmenistan.»

    Mir ging es ähnlich. Immer wieder Fragen über Korea. Also fing auch ich an zu lesen. Mich für Korea zu interessieren. Schließlich meinte ja jeder, ich sei ein Koreaner. Schließlich fragte ja auch jeder nach Korea. Und du willst nicht als Depp dastehen, der sein eigenes Land nicht kennt. Hinterher heißt es dann, wenn der nicht mal über seine eigene Heimat Bescheid weiß, was weiß er denn dann?
    Und dann wundern sich die Biodeutschen, warum die hier lebenden „Türken“ für Erdoğan in der Türkei gestimmt haben. Ich war mal in Japan und habe dort geborene Koreaner kennengelernt. Dort habe ich gelernt, dass die Mehrheit der japanischen Nordkoreaner ihre Wurzeln eigentlich im südlichen Teil Koreas hat genau wie die japanischen Südkoreaner. Der Rassismus der Japaner und die Ignoranz des südkoreanischen Staates haben dafür gesorgt, dass sich diese Koreaner im kapitalistischen Japan zu Nordkorea bekennen, ohne jemals in Nordkorea gewesen zu sein. Insofern erkenne ich hier in Deutschland mir schon bekannte Muster.

    Die koreanische Sprache habe ich trotzdem nicht gelernt. Zu wenige Koreaner in meinem Alter damals, mit denen ich gemeinsam lernen konnte. Und Koreanisch mit meinen Eltern lernen?
    Ich bin nicht masochistisch.

    «Der Rassismus, den wir im Alltag erleben, fängt damit an, dass wir als fremd erkannt werden.»

    Ja. Nur bin ich mittlerweile überzeugt, wenn wir nicht anfangen, die Ursachen für diese Art von Rassismus direkt und offen anzusprechen, nämlich die verinnerlichte Vorstellung vom „deutschen Volk“ als einer BIOLOGISCH homogenen Menschengruppe, dann wird sich hier auch nichts ändern.
    ES KANN NICHT SEIN, WAS NICHT SEIN DARF!
    Diese Denkblockade müssen wir überwinden.

    Wir müssen dies allerdings nicht so direkt tun, wie ich es in diesem Artikel tue. Wir müssen wohl geduldig Gegenfragen stellen, warum uns diese Frage gestellt wird, was hinter dieser vermeintlichen Neugier steckt, und vor allem, ob sie nicht HÖREN, dass wir Deutsche sind und warum das SEHEN das HÖREN übertrumpft.

    Schließlich äußert sich Michel Abdollahi selbst, von dessen Veranstaltung Sußebach berichtet hat, auf ZEIT online mit einem eigenen Kommentar:

    «Ich plädiere an uns Migranten, Fragen dieser Art nicht immer gleich als Angriff und als Ausdruck von Ignoranz zu verstehen, wenn sie ebenso als Indiz für etwas Positives taugen: die Entwicklung hin zu einer weniger rassistischen Gesellschaft. Es ist doch eine Errungenschaft, dass wir mittlerweile ein Reflexionsniveau erreicht haben, auf dem wir tatsächlich ins Gespräch kommen können. Wir sollten reden, statt jene, die sich aufrichtig mit diesen Fragen beschäftigen, niederzumähen und dadurch im Angstklischee zu bestätigen.»

    Michel Abdollahi: Herkunft: Euer Ernst? 31.05.2017

    Ich erlaube mir, zu widersprechen. Es ist nicht das erste Mal, dass wir über (Alltags-)Rassismus in Deutschland sprechen. Nur, allein das Wort „Rassismus“ in den Mund zu nehmen, erzeugt bereits eine Blockade beim biodeutschen Gegenüber. Reflexion über den eigenen Rassismus? Erlebe ich nur bei Menschen, die sich dann tatsächlich mal mit Rassismus auseinandersetzen, Bücher zum Thema lesen und dann zwangsläufig zur Einsicht kommen, dass kein Mensch frei von Vorurteilen und Stereotypen ist, weil niemand in einer rassismusfreien Welt aufwächst. Wir können nur versuchen, auf unsere Worte zu achten und die Wirkung auf andere zu respektieren.

    Nur, wie oft müssen wir noch erklären, wann und warum diese Frage „Woher kommst du wirklich her?“ rassistisch ist?
    Und wann fangen wir an, über die eigentliche Frage zu reden, die immer unausgesprochen im Hintergrund schwebt?
    Biodeutsche kommen überhaupt nicht auf die Idee, dass eine Einwanderungsgesellschaft auch von ihnen fordert, sich an diese Einwanderungsgesellschaft anzupassen, sich in ein neues Deutschland und in ein weiter entwickeltes Verständnis vom „deutschen Volk“ zu integrieren.

    Und ja, ich finde es toll, wenn wir ins Gespräch kommen. Nur, wer sich aufrichtig mit der Problematik der Herkunftsfrage beschäftigen will, der muss auch bereit sein, seine Haltung, die hinter dieser Frage steckt, zu reflektieren, so schmerzhaft das auch sein mag. Er muss mir glaubhaft machen können, dass er mich nach meiner Herkunft fragt, weil er mich als Deutschen UND als Koreaner sieht und nicht nur als Koreaner, aber nicht als Deutschen.

    «Andersherum pauschalisieren aber auch wir, wenn wir jedem, der nach unserer Herkunft fragt, fremdenfeindliche Motive unterstellen, statt schlichte Neugier wenigstens in Betracht zu ziehen. Es mangelt in diesem Land sicher nicht an Rassisten. Aber wir sollten die richtigen bekämpfen.»

    Hier liegt nach meinem Verständnis ein Missverständnis vor: Ich unterstelle niemanden ein fremdenfeindliches Motiv, denn das würde für mich bedeuten, die Person, die mich nach meiner Herkunft fragt, mache dies im vollen Bewusstsein, mich als Deutschen auszugrenzen – und sei mir feindlich gesinnt. Tatsächlich denke ich, den meisten ist gar nicht bewusst, was sie tun. Der Fragesteller ist in meinen Augen nicht automatisch ein Rassist. Gerade hier müssen wir differenzieren, weil wir sonst nicht mehr über ungewollten Alltagsrassismus reden könnten und wir tatsächlich allen unterstellen müssten, sie seien Rassisten.

    Um einen krassen Vergleich zu machen: Ein Autofahrer kann aus Unachtsamkeit einen Fußgänger überfahren und damit töten. Er ist damit aber kein Mörder, weil er es nicht absichtlich getan hat. Dennoch liegt hier ein Tötungsfall vor, für den er sich verantworten muss. Nur, weil es sich nicht um einen Mord handelt, heißt das aber nicht, dass dieser Tötungsfall keine Konsequenzen nach sich zieht.
    Genauso ist es mit rassistischem (und jedem anderen diskriminierenden) Verhalten: Ich kann es ungewollt und sogar unbewusst tun, also kein Rassist sein, muss mich aber dennoch für mein Verhalten verantworten. Unwissenheit darf keine Ausrede für Verantwortungslosigkeit sein.

    «Bizarrerweise ist übrigens niemand auf die Idee gekommen, uns, die Schöpfer dieses Veranstaltungsplakates, mal zu fragen, was wir damit eigentlich sagen wollten. Die Frage war nämlich gar nicht für Biodeutsche gedacht, wir haben sie nicht an Menschen wie Henning Sußebach gerichtet. Wir wollten von den Migranten wissen: „Sag mal, Migrant, wo kommst du eigentlich her? Kommst du jetzt aus Deutschland oder aus der Türkei? Folgst du dem Grundgesetz oder Präsident Erdoğan?“

    […] Wir wollten ein Zeichen für die Integration setzen, […] um uns nicht irgendwann selbst vorwerfen zu müssen, tatenlos zugeschaut zu haben, wie sich Menschen radikalisieren und von Deutschland abwenden. Henning Sußebach schrieb, vielleicht seien gerade diese Menschen zu selten gefragt worden, woher sie eigentlich kommen. Wahrscheinlich hat er damit recht.»

    Vielleicht wurden sie aber auch zu oft gefragt und ihnen dabei zu oft vermittelt, dass sie keine Deutsche, sondern Türken seien. Auch ich beobachte bei mir und in meinem Umfeld zunehmende Tendenzen, die migrantische Parallelgesellschaft als Zufluchtsort vor dem tabuisierten Alltagsrassismus der deutschen Gesellschaft zu betrachten. Insofern hat mich das Verhalten der hier in Deutschland lebenden türkeistämmigen Menschen nicht überrascht, sondern eher in meinen Annahmen bestärkt.

    Und sorry, jede türkeistämmige Person, mit der ich gesprochen habe, war zwar über das Wahlverhalten enttäuscht oder sauer. Es hat aber niemanden überrascht. Niemanden.
    Warum wohl?

    Veröffentlicht von Daniel Sanghoon

    Hi, ich bin Daniel Sanghoon Lee. Hier schreibe ich auf, was mich als Koreaner der zweiten Generation beschäftigt. Kommentare sind willkommen, werden aber moderiert. Da ich berufstätig bin, kann es etwas dauern, bis Dein Kommentar hier erscheint. Beim Kommentieren bitte ich, die Kommentarregeln zu beachten. Danke! ^^

    5 Kommentare

    1. Pingback: Assimilation? Da waren wir schon mal, ihr habt es nur nicht bemerkt | durumi.de

    2. Hui, wirklich eine Menge Text. Der mich aber traurig macht.
      Ich bin letztens schon irgendwo auf die Meinung gestoßen, dass die Frage nach der Herkunft als rassistisch aufgefasst wird, und habe sie nicht nachvollziehen können. Da Du Dich hier so dezidiert mit dieser Meinung befasst, nutze ich mal die Gelegenheit, auch meine Gedanken dazu zu äußern.
      Vorab, ich bin wohl das, was allgemein als biodeutsch bezeichnest wird. Und dieser Begriff nervt mich schon, weil er eben mehrere Arten des Deutschseins impliziert. Das halte ich für Quatsch.

      Wenn Du aussiehst wie ein Asiate, dann bringst Du etwas mit, dass die meisten Menschen in Deiner Umgebung (in meiner auf jeden Fall) nicht mitbringen. Das ist auch schon alles, aber es macht neugierig. Auf Dich als Person, evtl. auf Dein Leben. Nicht so sehr, wenn Du in D geboren wurdest, aber schon, wenn eben nicht. Mir ist klar, dass die Frage „Woher kommst Du“ so interpretiert werden kann, wie Du es im Text tust, aber so wäre sie zumindest von mir absolut nicht gemeint. Sicher, korrekt würde sie lauten „Du siehst anders aus als die meisten Menschen in dieser Umgebung, ich halte für möglich, dass Du oder Deine Eltern nicht hier geboren wurdest, darf ich fragen, in welcher Gegend der Welt Du Deine Wurzeln hast?“. Wobei, ich vermute nur, dass sie damit als eher korrekt empfunden wird, denn ich kann schon an der Frage „Woher kommst Du“, die ich gleichwertig finde, nichts anstößiges finden. Im Gegenteil, ich bringe Dir als Person Interesse entgegen, möchte etwas über Dich erfahren, und wenn wir uns noch nicht gut kennen, dann nehme ich eben erstmal das Offensichtliche. Aber ich kann Dir versichern, und da bin ich mir ziemlich sicher, dass ich damit absolut nicht Dein Deutschsein thematisiere, geschweige denn in Frage stelle. Ich betrachte das im Gegenteil eigentlich als eine ganz andere Frage. Die sich eventuell aus der Antwort auf die erste Frage ergibt, vielleicht aber auch nicht.

      Du hast jede Freiheit, auf eine solche Frage zu antworten. Sagst Du, Du bist hier geboren, weiß ich, dass Deine Herkunft (zumindest Deinem Aussehen nach) wohl keine große Rolle mehr spielt und/oder Du nicht darüber reden willst. Ok. Vielleicht ergibt sich aber auch ein spannendes Gespräch … nur ob Du nun die deutsche Staatsangehörigkeit hast, juristisch oder wie auch immer Deutscher bist oder Dich als Deutscher empfindest … das ist doch eine ganz andere Frage. Die mich persönlich im übrigen weit weniger interessiert.

      Wenn wir uns unterhalten, und ich Dir in einem Nebensatz von meinen Eltern Sigurdur und Birta erzähle, dann würdest Du nicht fragen, woher diese Namen stammen, woher ich eventuell stamme? Würdest Du nicht? DAS, würde ich sagen, ist der passende Vergleich zum Thema, nicht der mit Leuten, die aus Versehen Menschen überfahren.

      Ich verstehe völlig, wenn einen die Frage nach der Herkunft, die man sein Leben lang beantworten muss, nervt. Immer und immer wieder. DAS wäre der Grund für mich, auf eine solche Frage zu verzichten. Aber mir mit dieser Frage pauschal Rassismus zu unterstellen … Es ist nunmal so, dass Du in gewisser Weise in Deiner Umgebung auffällst. Das kann zur Belastung werden, das verstehe ich. Aber das ändert nunmal nichts, Du fällst eben auf, bist etwas besonderes an der Stelle, ob Dir das gefällt oder nicht. Völlig wertfrei. Und in meinen Augen wäre es beim pauschalen Verzicht auf die Frage so, als dürfe man etwas nicht sehen, nicht ansprechen, weil man es gar nicht sehen dürfe. Dabei, sorry, ist es offensichtlich. Lebten wir in einer Gesellschaft mit mehr Menschen aus den unterschiedlichsten Gegenden der Welt, Du würdest weniger gefragt werden, weil dann dieses „Besondere“ eben nicht mehr so besonders wäre.

      Naja, langer Rede kurzer Sinn … ich interessiere mich für die Herkunft der Menschen in der Hoffnung auf spannende Geschichten, ob sie dabei deutsch sind oder sich als deutsch empfinden, ist auch eine spannende Frage, aber nicht die, die ich gestellt habe. Und sicher auch keine, dass man mit zwei Sätzen beantworten könnte. Nach Deinem Text aber habe ich das Gefühl, mir soll der Mund verboten werden, denn wenn ich dies nicht tue, bin ich ein Rassist. Sagst Du. Ich muss es dann ja mal so hinnehmen. Das macht mich traurig.

      Und noch was … Du schreibst sinngemäß, dass Du als Deutscher oder Hier-Geborener auch nicht so viel mehr weißt über Korea als alle anderen und Du nicht verstehst, wenn man Dich da für einen Experten hält … dann schau Dir mal Deinen Kommentar auf Krautreporter zum Nordkorea-Konflikt an 😉 Ich interessiere mich für Nordkorea, habe schon einiges gesehen (leider nur Dokus, meine ich, war selbst noch nicht dort) und einiges gelesen, und das meiste dessen, was Rico schrieb, war mir bekannt. Deinen Text dagegen empfand ich doch durchaus als sehr aufschlussreich und bereichernd. Damit zeigst Du ja, dass Du eben doch einiges zu erzählen weißt … nur fragen sollte man Dich nicht, schätze ich.

      Mit Sympathie …

      Chris

      • Hallo Chris,
        vielen Dank für Deinen Kommentar.

        Ja, ich benutze häufig den Begriff „biodeutsch“, weil er anzeigt, dass wir uns in Bezug auf das Deutschsein immer noch auf die Biologie berufen. Aber vielleicht wäre der Begriff „weiße“ Deutsche besser?
        Wenn Dich die Idee stört, es könne mehrere Arten des Deutschseins geben, ist für Dich dann die Vorstellung, deutsches Volk, deutsches Blut plausibler? Denn ich werfe ja Menschen vor, dies (unbewusst) zu denken und dementsprechend zu handeln. Interessanterweise höre ich diesbezüglich so gut wie nie einen Protest dagegen. Niemand geht darauf ein, so als ob jeder diesen Vorwurf überhört oder ihn für so selbstverständlich hält, dass nicht darauf eingegangen wird.
        Und wenn das für Dich Quatsch ist, dass es mehrere Arten des Deutschseins gibt, bin ich dann kein Deutscher oder doch ein Deutscher wie Du?

        Jeder Mensch bringt etwas mit, was ihn oder sie von anderen unterscheidet. Die Frage für mich ist deswegen, warum sind manche Unterschiede – gerade das Äußerliche – so wichtig?

        Und berechtigt die eigene Neugier, fremde Menschen nach persönlichen Dingen zu fragen?
        Es geht dabei nicht darum, wie die Frage gemeint ist, sondern wie die Frage ankommt. Denn manchmal ist das Gegenteil von „gut“ nicht „böse“, sondern „gut gemeint“. Denn auch wenn die Frage für Dich selbst harmlos ist, wie kannst Du davon ausgehen, dass das bei anderen genau so ist, nur, weil das bei Dir so ist? Wenn Du darüber mal reflektierst, stellst Du fest, dass Du Dich zum Maßstab nimmst, um mich zu beurteilen. Ist das ein gleichwertiges Verhältnis?

        Die Frage „Woher kommst du“ ist auch nur dann gleichwertig, wenn wir beide gleichwertige Gesprächspartner wären. Wenn die Frage aber impliziert, dass Du bestimmen darfst, dass ich kein Deutscher bin aufgrund meines Aussehens und ich in dieser Hinsicht nichts zu melden habe, sondern mich im Gegenteil erklären muss, warum ich so anders aussehe, dann haben wir hier kein gleichwertiges Verhältnis zueinander.

        Und ja, Du thematisierst mein Deutschsein, indem Du sie durch die Frage negierst. Z.B. wenn ich Dich frage, warum bist Du so dick? dann unterstelle ich Dir indirekt, dass Du nicht dünn bist. Wenn Du mich fragst, woher ich komme, und Du meinst damit nicht, wo ich wohne, dann unterstellst Du mir indirekt, dass ich kein Deutscher bin. Denn sonst müsstest Du diese Frage nicht stellen. Wenn Du z.B. Donald Trump treffen würdest, würdest Du ihn dann auch fragen, von wo er wirklich herkomme, denn Du siehst ja, dass er kein Amerikaner sei. Er ist ja ein Weißer, und die stammen bekanntlich aus Europa?

        In der menschlichen Kommunikation hat eine Nachricht immer mindestens zwei Ebenen: die Sachebene (woher kommst du?) und die Beziehungsebene (ich bin ein Deutscher und du nicht, daher reizt es mich zu wissen, woher du kommst, weil du eben anders bist).

        Anders ist der Fall, wenn ich von mir aus erzähle, woher meine Eltern stammen. Dann signalisiere ich ja die Bereitschaft, über meine Eltern und meine Herkunft zu erzählen. Aber ehrlich, wie oft sprichst Du mit Fremden über Deine Eltern, ohne nach ihnen gefragt zu werden?
        Anders ist auch der Fall, wenn ich im Ausland bin und dann gefragt werde, woher ich komme. In diesem Fall ist die Frage berechtigt. Aber dies ständig in meiner eigenen Heimat gefragt zu werden ist ausgrenzend.

        Ich bin ein Deutscher wie Du – es sei denn, Deutschsein hat etwas mit Biologie zu tun. Und hier sind wir beim Stichwort Rassismus. Ich habe ja am Anfang definiert, was ich unter Rassismus verstehe. Diskriminierung bedeutet, einen Menschen von anderen abzugrenzen (sowohl in positiver als auch negativer Hinsicht) und ihn deshalb anders, also ungleich zu behandeln. Im Falle von Rassismus findet die Abgrenzung in Bezug auf eine „Ethnie/Rasse“ statt, die mir von denjenigen, die mich diskriminieren, zugeschrieben wird. D.h. es geht nicht darum, wie ich mich sehe, sondern immer darum, wie andere mich sehen (wollen) und wie und wer ich entsprechend nach deren Vorstellungen zu sein habe. Und dieses Verhalten ist natürlich nicht wertfrei. Gerade weil Du mich bewertet hast, kommst Du ja zum Schluss: er ist kein Deutscher, sondern ein Asiate. Du fragst ja auch nicht jeden nach seiner Herkunft, sondern nur die, die nach Deiner Bewertung her auffallen. Wie gesagt, das ist nicht wertfrei.

        In einer wirklichen Einwanderungsgesellschaft sind Menschen wie ich in Deutschland ganz normal, nichts Besonderes. Weil aber Menschen wie Du bestätigen, dass Menschen wie ich etwas „besonderes“ sind, bestätigst Du damit auch, dass wir geistig noch lange keine Einwanderungsgesellschaft sind. Wenn ich dann die Problematik mit der Frage „Woher kommst du“ nicht thematisiere, ändert sich daran auch nichts.

        Dass Du automatisch ein Rassist bist, sage ich nicht:
        «Einen Rassisten definiere ich dagegen als einen Menschen, der sich bewusst(!) rassistisch verhält.
        Deshalb kann mensch sich rassistisch verhalten, ohne zwangsläufig ein Rassist zu sein.
        Dagegen handelt ein Rassist immer rassistisch.»

        Wenn Du also bewusst Menschen nach der Hautfarbe, nach ihrer Rassenzugehörigkeit beurteilst, dann bist Du für mich ein Rassist. Das weiß ich aber nicht, deswegen stelle ich Dir ja all die Fragen. Meine Erfahrung ist, dass die meisten gar nicht erst reflektieren und ihnen deswegen gar nicht bewusst ist, warum sie in mir keinen Deutschen sehen und wie und warum dies ihr Handeln beeinflusst.
        Und das macht mich traurig.

        Mein Text soll übrigens nicht dazu dienen, anderen das Wort zu verbieten. Wie könnte ich das auch?
        Nein, mein Text soll dazu dienen, (m)eine andere Perspektive zu bieten und anhand dessen zu reflektieren, inwieweit die Frage okay ist oder nicht. Du scheinst z.B. nicht auf die Idee zu kommen, dass ich möglicherweise recht habe. Weil Du es nicht böse meinst, scheint eine rassistische Wirkung deswegen vollkommen ausgeschlossen zu sein. Wenn ich jemanden verletze, ist es egal, ob ich es wollte oder nicht. Die Verletzung bleibt, so oder so.

        Und was Nordkorea anbetrifft: Unter den Blinden ist der Einäugige König. Natürlich weiß ich gegenüber Menschen, die noch nie in Korea waren, einiges mehr. Trotzdem ist vieles, was ich über Korea weiß, entweder selbst angelesen oder selbst interpretiert. Da ich kaum koreanisch spreche, bin ich selbst auf das angewiesen, was andere sagen. Über den konfuzianischen Einfluss in Korea berichtet jeder gute Reiseführer. Manche Fragen oder Perspektiven ergeben sich meiner Meinung nach, wenn Du Deine Ansichten über (Nord)Korea reflektierst und mal die ganzen Nachrichten auf Wahrheitsgehalt abklopfst. Das Problem mit der Nordkorea-Berichterstattung ist, dass kaum ein westlicher Journalist koreanisch spricht und deswegen auf fremde Informationen angewiesen ist. Die meisten machen sich auch nicht die Mühe, sich mit der koreanischen Kultur und Mentalität auseinanderzusetzen. Weil die koreanische Kultur und Mentalität vollkommen ausgeblendet wird, wird alles mit der Diktatur im Norden in Verbindung gebracht. Selbst ich kann im Einzelfall nicht sagen, welches Verhalten, welche Ansicht welchem Grund geschuldet ist. Ich kann nur die Frage danach stellen.
        Südkoreanische Quellen sind dabei auch nicht neutral, wenn Du bedenkst, dass in Südkorea niemand positiv über Nordkorea berichten darf, weil das sonst nordkoreanische Propaganda sei und die Sicherheit in Südkorea gefährden könne. Um all das zu wissen muss man – meiner Meinung nach – nur kontinuierlich die (Nord)Korea-Berichterstattung verfolgen sowie seinen gesunden Menschenverstand einsetzen bzw. die ganzen W-Fragen anwenden.

        Nein, ich bin kein Nordkorea-Experte, sondern mache mir nur die Mühe, Dinge zu hinterfragen und nach Belegen zu suchen, wenn ich etwas nicht verstehe. Kim Jong-Un als verrückten Diktatur darzustellen ist z.B. ein Zeichen dafür, dass sich jemand keine Mühe gemacht hat, sich mit Nordkorea etwas intensiver auseinanderzusetzen. Wenn ich einen wirklichen Experten wie den im Krautreporter-Artikel erwähnten Rüdiger Frank höre oder von ihm lese, dann ist das Handeln des nordkoreanischen Führers alles andere als verrückt, sondern folgt einer eigenen Logik.

        Der Artikel auf Krautreporter, von dem hier die Rede ist: Der Nordkorea-Konflikt, verständlich erklärt, vom 17.08.2017 (möglicherweise ist er inzwischen nur noch für zahlende Mitglieder voll zugänglich, sorry dafür)
        https://krautreporter.de/2040-der-nordkorea-konflikt-verstandlich-erklart?shared=eyJzaGFyZWRCeSI6IkRhbmllbCBTLiBMZWUiLCJ2YWxpZFVudGlsTXMiOjE1MDMzMjA2ODQ2NDN9

        • Lieber Daniel,

          vielen Dank für Deine ausführliche Antwort. Schön, dass wir da in’s Gespräch kommen, das freut mich wirklich.
          Auch wenn ich das Gefühl habe, Du tust mir unrecht. Aber der Reihe nach …
          Ich berufe mich mitnichten auf Biologie, wenn es um’s Deutschsein geht. Und ich habe auch nicht gesagt, dass mich die Idee stört, es könne mehrere Arten des Deutschseins geben. Meiner Meinung nach habe ich diese Fragen überhaupt nicht thematisiert. Aber da Du mich nach meiner Meinung fragst … „weiße Deutsche“ halte ich für blöd, denn deutsch ist deutsch. Es gibt weiße Menschen und schwarze und viele mehr, und alle können gleichermaßen deutsch sein. Sie unterscheiden sich eventuell durch die Dauer (dann aber nicht in ihrem „Deutschsein“), die sie (oder deren Familie) hier sind, und diese Dauer wird zuweilen, bei manchen mehr, bei manchen weniger, durch äußerliche Merkmale angezeigt. Wie bei Dir. Das ist KEIN Werturteil. Ich verstehe durch Deine Argumentation, dass Du da beim Deutschsein differenzierst, dass Du die Notwendigkeit siehst, zwischen „Biodeutschen“ und anderen zu unterscheiden. Und da Du differenzierst, muss ich das nun auch tun, damit wir reden können. Tatsächlich unterscheiden wir uns. Ich komme aus Thürigen in Deutschland, meine Vorfahren leben (soweit ich weiß) seit langer Zeit in D. Du kommst auch aus Deutschland, bist hier geboren, Deine Eltern jedoch (vermutlich) nicht. Das sind Fakten. Damit geht absolut kein Werturteil einher. Inwiefern wir uns aber jetzt als Deutsche unterscheiden … keine Ahnung. Wir sind da sicher verschieden, in unseren Ansichten, in unseren Vorstellungen von einer guten Gesellschaft, aber da unterscheide ich mich mit vermutlich 98% der Bevölkerung. Ich wähle meist grün, kann die AfD nicht leiden, und freue mich über das Glück, hier in D leben zu können. Wie Du das siehst, weiß ich nicht, aber wir werden uns da sicher bei dem ein oder anderen Aspekt unterscheiden. Aber ich wüßte beim besten Willen nicht, wieso Deine Herkunft (oder die Deiner Familie) da eine Rolle spielen sollte. In der Diskussion über unser Deutschsein. Für mich bist Du ein Deutscher wie ich. Punkt. Wenn Du sagst, Du bist einer, gibt es für mich ABSOLUT keinen Grund, das in irgendeiner Form in Frage zu stellen oder auch nur zu relativieren. Für mich wäre in der Beurteilung Deiner Person wichtig, ob Du unsere (unser beider!) Gesellschaft ablehnst oder teilhaben möchtest. Woher Du, Deine Eltern oder Deine Vorfahren oder wer auch immer dabei herkommen, halte ich bei der Diskussion um’s Deutschsein für irrelevant. Mir zumindest ist das völlig egal. Ich weiß, dass es einige Leute gibt, die das anders sehen, aber ich zähle mich nicht zu diesen. Du hast keine deutsche Herkunft, so wie ich, das ist auch ein Fakt. Aber vielleicht bist Du sogar der bessere Deutsche von uns beiden, engagierst Dich mehr, interessierst Dich mehr, und ich habe auch schon geklaut 😉 …
          Ich halte „Deutschsein“ nicht nur für „hier leben und wahlberechtigt sein“. Damit gehen auch gewisse Traditionen einher, das hat mit Geschichte zu tun, mit Sozialisation in unserer Kultur, mit Dingen, Befindlichkeiten, Mentalitäten, die klar zu beschreiben ich gerade Mühe habe. Aber Du bist hier geboren! Hier aufgewachsen! Mehr geht nicht. Wir unterscheiden uns da null. Du bist für mich so deutsch wie ich deutsch bin. Dein Äußeres entspricht nicht den Standards hier (Fakt), aber das ist auch schon alles. Und ich sehe nicht, wieso das etwas negatives oder überhaupt etwas wertbehaftetes sein sollte. Unser beider Herkunft unterscheidet sich, und das sollte eigentlich das Thema sein, aber unser Deutschsein …?
          Und da wir gerade dabei sind noch kurz zum „deutschen Blut“, da müsste man eventuell schauen, was GENAU gemeint sein soll. Meint er die Herkunft, dann kann man diskutieren und nach besseren Formulierungen suchen (das wäre dringend geraten!), meint er das wortwörtlich … naja, das wäre für mich Rassismus, abgesehen vom offensichtlichen Blödsinn. Oder glaubt irgendwer ernsthaft, dass sich das Blut eines Deutschen von dem eines Italieners oder Franzosen oder sonstwem unterscheidet? Deutschsein ist einiges, aber für mich ganz sicher keine biologische, naturwissenschaftliche Frage. Insofern: ich protestiere gegen die Vorstellung, das Deutschsein an wie auch immer gearteten biologischen Merkmalen festmachen zu wollen. Für’s Protokoll 😉

          So, ich hoffe, die Frage unseres Deutschseins für Dich geklärt zu haben. Und wie gesagt, das war nie mein Thema.

          Du fragst, warum manche Unterschiede – gerade das Äußerliche – so wichtig sind. Das sind sie nicht. Überhaupt nicht. Nicht für mich. Ich würde Dir die Frage im Rahmen eines Smalltalks stellen, wie vielleicht die, in welcher Stadt Du wohnst, was Du beruflich machst oder … was weiß ich. Die nach Deiner Herkunft vielleicht zuerst, aber nur, weil es vermutlich das spannendere Thema ist. Aber prinzipiell sind das für mich gleichrangige Fragen. Noch einmal: Du hast jede Freiheit, darauf zu antworten. Wenn Du mir sagst, Du wohnst 100km weg, möchtest aber nicht konkret sagen, in welcher Stadt genau … ok. Ich würde es hinnehmen. Merkwürdig finden, aber hinnehmen, klar. Und wenn Du mir nicht sagen möchtest, was Du beruflich machst, auch. Und wenn Du mir nicht sagen möchtest, woher Deine Familie stammt, auch. Aber NUR bei dieser Frage setze ich mich des Vorwurfs rassistischen Handelns aus. Und das sehe ich eben nicht. Aber wenn Du mir sagst, dass Du es so empfindest, dann tut mir das leid, dann ärgere ich mich, diese Frage gestellt zu haben, kann den Vorwurf jedoch beim besten Willen nicht nachvollziehen, muss es aber hinnehmen. Denn wenn Du sagst, entscheidend ist, wie es ankommt, nicht wie es gemeint ist, bin ich raus aus der Argumentation. Dann bestimmst nur Du die Beurteilung der Situation. Und auch wenn ich absolut nicht verstehe, wie man diese kleine simple Frage in einer solch unverfänglichen Situation als rassistisch werten kann, muss ich es hinnehmen. Ich werde nicht zurückrufen: „Ich bin kein Rassist!“, denn dieses Urteil müssen andere fällen, insofern nehme ich es hin. Aber verstehen tue ich es eben noch lange nicht. Mit einer gewissen Berechtigung könnte man auch sagen, dass dann Du derjenige bist, der da einen Graben zwischen uns aufzieht. Den ich nicht sehe. In meinen Augen hast Du keinen Grund, Dich angegriffen zu fühlen (wenn Du Dich nicht auch durch Fragen nach Job und Wohnort angegriffen fühlst), da ich Dir einfach eine unverfängliche Frage nach etwas Offensichtlichem gestellt habe. Mit keinem Gedanken, nicht dem Hauch eines Gedankens sage oder meine ich damit, dass ich da irgendwie der Meinung wäre, dass Du ja eigentlich nicht hierhergehörst oder Du ja eigentlich kein Deutscher seist oder ich ja hier ja doch irgendwie mehr Rechte hätte oder irgendetwas in dieser Richtung. Absolut nichts dergleichen! Es ist mir schleierhaft, wie man meine Frage dann so auffassen kann. Aber ich muss es hinnehmen. Und wenn Du dann sagst, ja, das passiert ja unbewußt bei Dir, dann frage ich mich, woher Du das so genau wissen willst, verstehe es immer noch nicht, aber nehme es so hin. Denn wie sollte ich Dir das Gegenteil beweisen? Und dann bin ich traurig.

          Ein paar Zitate von Dir und mein Kommentar:
          „berechtigt die eigene Neugier, fremde Menschen nach persönlichen Dingen zu fragen?“: Wie gesagt, ich stürze nicht im Supermarkt auf Dich und herrsche Dich an: wo kommst Du denn überhaupt her? Sondern wir stehen nebeneinander auf einer Party und ich frage Dich, woher Du eigentlich kommst. Auch nicht optimal, diese Formulierung, das weiß ich jetzt dank Dir, aber so in etwa. Und diese persönliche Frage ist so persönlich wie die nach Wohnort, Beruf und Lebensumständen.

          „Wenn Du darüber mal reflektierst, stellst Du fest, dass Du Dich zum Maßstab nimmst, um mich zu beurteilen. Ist das ein gleichwertiges Verhältnis?“ An welcher Stelle genau habe ich Dich beurteilt? War mir nicht bewußt. Und wir beide ein gleichwertiges Verhältnis? Selbstverständlich! Es sei denn, Du möchtest es anders sehen.

          „Du thematisierst mein Deutschsein, indem Du sie durch die Frage negierst. Z.B. wenn ich Dich frage, warum bist Du so dick? dann unterstelle ich Dir indirekt, dass Du nicht dünn bist. Wenn Du mich fragst, woher ich komme, und Du meinst damit nicht, wo ich wohne, dann unterstellst Du mir indirekt, dass ich kein Deutscher bin.“ Entschuldige, aber ich thematisiere Dein Deutschsein nicht durch diese Frage. Ich hoffe, das ist oben deutlich geworden. Ich würde auch niemanden nach seiner Leibesfülle fragen, sei sie noch so groß, denn das verbietet der Anstand. Und ich verstehe, warum. Weshalb Du die Frage nach Deiner Herkunft gleichsetzt mit einem klar als negativ empfundenen äußerlichen Merkmal wie dem Dicksein dagegen verstehe ich nicht. Ich würde Dich nicht fragen, warum Du hinkst, warum Du eine Beule am Unterarm oder Warzen im Gesicht hast. Ich frage lediglich, woher Du kommst. Und damit unterstelle ich absolut gar nichts. Es sei denn unbewußt, aber dann wüßte ich es nicht. Du aber auch nicht. Weshalb bringst Du nicht auch einmal Vertrauen mir gegenüber auf und glaubst mir, statt auf mein (nicht diskutierbares) Unbewußtes abzustellen?

          „Gerade weil Du mich bewertet hast, kommst Du ja zum Schluss: er ist kein Deutscher, sondern ein Asiate. Du fragst ja auch nicht jeden nach seiner Herkunft, sondern nur die, die nach Deiner Bewertung her auffallen.“ Ich habe Dich nicht bewertet. Ich habe das offensichtliche konstatiert (Dein Aussehen, denn nur das wäre ja Anlass für die Frage, um die es hier geht). Das offensichtliche könnte man bewerten, in der Weise, wie Du es mir unterstellst, aber ich habe das nicht getan. Wenn doch, zeig mir bitte, wo. Und ja, ich grenze Dich in gewisser Weise aus mit dieser Frage. Wenn Du das so sehen möchtest. Dann grenze ich aber auch die aus, die nicht in meiner Stadt wohnen, die nicht denselben Beruf haben, die vielleicht nicht zwei Kinder haben …

          „Weil aber Menschen wie Du bestätigen, dass Menschen wie ich etwas „besonderes“ sind, bestätigst Du damit auch, dass wir geistig noch lange keine Einwanderungsgesellschaft sind.“ Ja, Du bist vermutlich auf der Party, die ich mir so als Situation für unser imaginäres Gespräch vorstelle, etwas besonderes. Du siehst anders aus als die meisten anderen. Du bist dann so besonders wie der Kampfpilot, der vielleicht auch da ist. Oder die Berliner Vize-Meisterin im Fechten. Oder jemand, der zwei Jahre im Kongo gelebt hat. Von allen würde ich annehmen, sie könnten interessante, spannende Dinge erzählen. Du hast das Pech, dass man Dir dieses „Besondere“ ansieht. Dass Du öfter darauf angeprochen wirst, permanent immer wieder dieselben Fragen beantworten musst. Das nervt natürlich. Massiv, das verstehe ich. Erst recht, wenn Du dieses „Besondere“ gar nicht so siehst oder Du es als irrelevant einordnest. Wie gesagt, diese Überlegung wäre für mich Grund, auf die Frage zu verzichten. Rassismus oder rassistisches Handeln sehe ich da nicht. Wenn die Vize-Meisterin im Fechten dann in der Zeitung steht und sie bekannt wird, vermute ich, wird es ihr ein wenig so gehen wie Dir, sie muss permanent dieselben Fragen beantworten, wird immer wieder darauf angesprochen, dabei hat sie doch einfach nur ihren Job gemacht und … naja, Berliner Vize-Meisterin ist ja nun auch nicht eben Weltklasse. Also was wollen die eigentlich alle …? Ich sehe erhebliche Nerv-Faktoren. Aber Rassismus nicht.

          „Du scheinst z.B. nicht auf die Idee zu kommen, dass ich möglicherweise recht habe. Weil Du es nicht böse meinst, scheint eine rassistische Wirkung deswegen vollkommen ausgeschlossen zu sein.“ Auch da möchte ich Dir widersprechen. Ich halte es für absolut möglich, dass Du recht hast. Ohne Quatsch. Ich verstehe, dass Dein Selbstverständnis als Deutscher hier auf deutlich härtere Proben gestellt wird als meines, erst recht nach Deinen Berichten und Erfahrungen. Daher steht Dir auch das Recht zu zu beurteilen, ob ich rassistisch handle. Und ich möchte nicht rassistisch handeln. Um das zu vermeiden, habe ich das Gespräch gesucht zu Dir, denn ich möchte es verstehen. Und das, tut mir leid, tue ich noch nicht. Wenn Du sagst, Du empfindest mein Handeln als rassistisch, dann werde ich es Dir gegenüber ändern, dann werde ich Dir (und vermutlich auch anderen) diese Frage nicht mehr stellen. Aber das werde ich dann lediglich hinnehmen, verstehen kann ich es noch nicht. Ich werde mich mißverstanden fühlen, ein wenig traurig sein über die Scheiß-Kompliziertheit dieser Welt machmal, die selbst einfache, für mich unverfängliche Fragen in anderen Ohren als problembehaftet erscheinen lassen, aber wenn es so ist … ok. Ich richte mich danach. Aber ich verstehe es nicht. Das wollte ich mit meinem ersten Kommentar ändern.

          Alles in allem beschleicht mich der Verdacht, Du hast hier in unser beider Zuhause leider einige schlechte Erfahrungen machen müssen. Zu viele eventuell. Das täte mir leid. Ich sehe auch, dass eine Menge … Fehlgeleiteter unterwegs sind oder, um es diplomatisch auszudrücken, bei weitem nicht jeder mit meiner Sicht auf die Dinge übereinstimmt (ohne mich zum Maß der Dinge machen zu wollen). Wenn ich mir manche meiner Mitmenschen so angucke in der Presse oder im Fernsehen, schäme ich mich regelmäßig. Aber ich halte auch für möglich, dass Du da eventuell zuweilen überreagierst. Das ist kein Vorwurf, ich gehe davon aus, dass es mir ähnlich gehen würde. Ich habe das Gefühl, in der Bewertung der Frage nach Deiner Herkunft schließt Du auch ein wenig von Dir auf andere. Diese Dinge, die uns da trennen (Herkunft, Aussehen) trennen uns aber auch NUR in diesen Dingen. Inwiefern Du da irgendeine Kluft, eine Grenze zwischen uns als Deutschen siehst, mit allem, was Du damit assoziierst, mit den vielen Stellen in Deinem Text, in dem Du mir aufzuzeigen versuchst, dass ich, wenn auch ungewollt, diese Grenze erst gezogen haben soll, verstehe ich nicht. Du siehst diese Grenze, daran habe ich keine Zweifel. Und damit ist sie ja auch da, das kann ich bei Dir lesen. Und das tut mir leid. Und ich halte auch für möglich, dass ich irgendwie ungewollt mitgeholfen habe oder mithelfe, sie zu ziehen, durch manch blöde unbedachte Äußerung, durch eine unhinterfragt übernommene Formulierung, Du zeigst diese Dinge ja selbst auf. Das möchte ich unbedingt ändern, wenn es so ist. Inwiefern aber die Frage nach der Herkunft bereits, diese drei bis vier Wörter in einem Gespräch per se, ohne weitere Begleitumstände rassistisches Handeln sein sollen, erschließt sich mir noch nicht. Aber ich nehme es natürlich hin in Deinem Fall (und bei jedem anderern, der das so empfindet).

          Nochmal kurz zu Nordkorea. Ganz kurz. Mir gehen die ganzen „Irrer-Kim“-Artikel auch gehörig auf den Nerv, mit so einem Text disqualifiziert sich in meinen Augen jeder Autor. Ich finde Nordkorea spannend, weil es eine andere Welt ist, in sich durchaus stimmig und kohärent (wie mir scheint), aber eben doch so ganz anders. Ich komme aus der DDR, vielleicht rührt auch daher mein Interesse. Ich finde es spannend, wie man eine Gesellschaft abschottet (nach allem, was man liest, ja mit abnehmendem Erfolg) und dennoch weitestgehend funktionsfähig hält. Ich glaube nicht, dass die Leute sich da in der großen Mehrheit geknechtet fühlen. Sie richten sich ein und wissen vieles nicht (ich zumindest weiß heute Dinge, die ich in der DDR niemals so gesehen hätte, allein schon über Manipulation durch Sprache oder Weglassen von Informationen). Und was die Bombe angeht … ich kann durchaus nachvollziehen, dass sie die haben wollen. Von Rüdiger Frank lese ich auch alles, was ich kriegen kann. Aber die letzten Jahre hat sich ja anscheinend auch einiges getan in Nordkorea, Texten von vor so mehr als 5 Jahren würde ich daher auch ein wenig skeptisch gegenüber stehen. Aber das nur nebenbei.

          Beste Grüße

          Chris

      • Lieber Chris,
        ich hoffe, Du bist mir nicht böse, wenn ich einige Deiner Aussagen hier noch mal auseinandernehme. Ich bemühe mich, so sachlich wie möglich zu sein, weil ich nicht denke, dass Du irgendetwas böse meinst.

        Du schreibst:
        «Und ich habe auch nicht gesagt, dass mich die Idee stört, es könne mehrere Arten des Deutschseins geben.»

        In Deinem ersten Kommentar hast Du geschrieben:
        “Vorab, ich bin wohl das, was allgemein als biodeutsch bezeichnest wird. Und dieser Begriff nervt mich schon, weil er eben mehrere Arten des Deutschseins impliziert. Das halte ich für Quatsch.»

        Erst schreibst Du, die Andeutung, dass es mehrere Arten des Deutschseins gäbe, sei Quatsch. Das habe ich so interpretiert, als ob Dich mehrere Arten des Deutschseins stören würde.
        Ist es dann so, dass Du mehrere Arten des Deutschseins für Quatsch hältst, Dich die Vorstellung daran aber nicht stört?

        Die Frage ist natürlich, über welche Arten des Deutschseins wir hier reden. Dass auch „Deutsche“ ein recht vielfältiges Volk sind (Bayern, Franken, Rheinländer, Hessen, Westfalen, Thüringer,…) leuchtet wohl ein. Nur, wenn ich mir die deutsche Integrationspolitik ansehe, dann gibt es nur Forderungen an sogenannte Migranten (Sprache, Werte, Bildung, etc.), aber keine Forderungen an Biodeutsche. Sie sind von Geburt an Deutsche und egal, ob sie rechtsextrem werden oder nicht, sie müssen ihre Herkunft nicht erklären, egal, wie gut sie Deutsch sprechen, sich an unsere Werte halten oder gebildet sind. Selbst beim NSU-Trio wird nicht angezweifelt, dass sie Deutsche sind, obwohl sie unsere Werte radikal mit Füßen getreten haben.

        «Ich verstehe durch Deine Argumentation, dass Du da beim Deutschsein differenzierst, dass Du die Notwendigkeit siehst, zwischen „Biodeutschen“ und anderen zu unterscheiden. Und da Du differenzierst, muss ich das nun auch tun, damit wir reden können.»

        Wenn ich über Rassismus rede, dann muss ich leider auch über etwas reden, was es eigentlich nicht gibt bzw. das bis heute nicht nachgewiesen werden konnte: über verschiedene Menschenrassen. Warum? Weil es Menschen gibt, die sich als Weiße sehen bzw. andere als Angehörige einer schwarzen, asiatischen oder arabischen Rasse. Oder Ethnie. Für mich gibt es da keinen großen Unterschied.
        Wenn Du Dich mit der Geschichte des Rassismus beschäftigst, wirst Du feststellen, dass die heutige Form des vermeintlich „wissenschaftlichen“ Rassismus von weißen Europäern erfunden worden ist und es sind besonders weiße Menschen, die darauf beharren, dass es unterschiedliche Rassen gebe.
        In Bezug auf (vermeintliche) Einwanderung sind es besonders weiße Deutsche oder Biodeutsche, die sich von sogenannten Migranten abgrenzen.

        Ich sehe keine Notwendigkeit darin, zwischen Biodeutschen und anderen Deutschen zu unterscheiden, sondern sehe mich nur so in der Lage zu thematisieren, dass diese Art von Rassismus in der Regel von weißen Deutschen, von Biodeutschen ausgeht. Ich selber versuche im Alltag, so wenig wie möglich zwischen Biodeutschen und neuen Deutschen zu unterscheiden. Wenn es aber um das Thema Rassismus geht, dann habe ich bislang noch keine andere Lösung gefunden, in der Form zu unterscheiden.

        Du schreibst:
        «Du kommst auch aus Deutschland, bist hier geboren, Deine Eltern jedoch (vermutlich) nicht. Das sind Fakten. Damit geht absolut kein Werturteil einher.»

        Das ist richtig. Da kann ich Dir noch zustimmen.

        Du schreibst:
        «Woher Du, Deine Eltern oder Deine Vorfahren oder wer auch immer dabei herkommen, halte ich bei der Diskussion um’s Deutschsein für irrelevant. Mir zumindest ist das völlig egal.»

        Hier liegt wahrscheinlich eine Ursache für unsere unterschiedliche Wahrnehmung. Mir selbst wird immer wieder gesagt, ich sei ein Asiate respektive Koreaner. Es gab in den letzten 40 Jahren wohl nur 2 weiße Deutsche, die mir explizit sagten, ich sei ein Deutscher, einer von ihnen. Alle anderen sagen maximal (wenn überhaupt), wenn(!) ich hier geboren bin und mich integriert habe, dann(!) bin ich wohl ein Deutscher. Weil(!) ich die deutsche Sprache wie ein Muttersprachler spreche, bin ich wohl ein Deutscher.
        Aber: weil ich ein „Asiate“ bin, ist für niemanden selbstverständlich, dass ich ein Deutscher bin. Ich muss es erst „beweisen“.

        Nun, Du hast derartige Erfahrungen wohl nicht gemacht. Dich halten andere wohl automatisch für einen Deutschen. In meinem Umfeld sprechen wir daher von einem Privileg, weil Du diese Beweispflicht nicht hast.
        Deshalb ist für Dich offenbar die Frage nach der Herkunft nicht verknüpft mit dem Deutschsein. Deshalb ist das Deutschsein auch nie Dein Thema, wie Du schreibst.
        Ich dagegen mache die Erfahrung, dass mein Deutschsein etwas Besonderes ist, keine Selbstverständlichkeit. Ich muss betonen, dass ich ein Deutscher bin. Kaum einer sagt mir, „Oh, ich höre(!), dass du ein Deutscher bist“, sondern eher „ich sehe(!) doch, dass du kein(!) Deutscher bist“.

        Du schreibst:
        «Dein Äußeres entspricht nicht den Standards hier (Fakt), aber das ist auch schon alles.»

        Tja, was ist der Standard? Kannst Du einen Standard für das äußere Aussehen eines Deutschen so definieren, dass er nichts mit Hautfarbe oder Ethnie zu tun hat? Denn ehrlich, wenn Du einen Standard definierst, ist dieser entweder so groß, dass alle darunter fallen, oder so eng, dass alle vom Standard abweichen. Und um einen Standard zu definieren, der mich von der Mehrheitsgesellschaft abgrenzt, fällt mir als einziges Kriterium dann letztendlich nur die Hautfarbe bzw. meine „Schlitzaugen“ ein.

        Und die Definition von „rassistisch“ ist ja, Menschen aufgrund ihrer zugeschriebenen Hautfarbe oder Ethnie anders/ungleich zu behandeln. Wenn Du also schreibst, mein Äußeres entspricht nicht den Standards hier, ist das bereits eine (weitverbreitete) rassistische Denkweise.
        Nebenbei bemerkt: Dich wird dieser Satz wahrscheinlich mehr aufregen als mich. Ich bin diese Denkweise leider schon zu sehr gewohnt, als dass ich mich darüber noch aufregen könnte.

        «Die nach Deiner Herkunft vielleicht zuerst, aber nur, weil es vermutlich das spannendere Thema ist.»

        «Und wenn Du mir nicht sagen möchtest, woher Deine Familie stammt, auch. Aber NUR bei dieser Frage setze ich mich des Vorwurfs rassistischen Handelns aus. Und das sehe ich eben nicht.»

        Die Frage nach dem Beruf stellst Du vermutlich allen, die Du kennenlernst.
        Die Frage nach der Herkunft auch?
        Wenn nein, ist das eine Ungleichbehandlung. Und warum? Wie kommst Du darauf, dass ich eine andere Herkunft habe als Du? Eventuell aufgrund meiner asiatische Abstammung, also meiner Hautfarbe bzw. Ethnie?
        Noch mal: Wenn Du mich anders behandelst als Biodeutsche aufgrund meiner zugeschriebenen Hautfarbe oder Ethnie, dann ist das rassistisch.

        Du schreibst:
        «Denn wenn Du sagst, entscheidend ist, wie es ankommt, nicht wie es gemeint ist, bin ich raus aus der Argumentation. Dann bestimmst nur Du die Beurteilung der Situation.»

        Ich beurteile, wie es bei mir ankommt und wie groß der „Schaden“ ist. Das ist etwas, das kannst Du nicht beurteilen, weil Du nicht meine Gefühlswelt wahrnehmen kannst. Bei „Sachschäden“ ist die Sache immer eindeutig, weil der Schaden in der Regel sichtbar ist. Z.B. Du willst Deinen Regenschirm aufmachen und schrammst dabei aus Versehen ein Auto. Der Lack ist zerkratzt. Aber: das war nicht Deine Absicht. Ist nun ein Schaden entstanden oder nicht? Musst Du eventuell den Schaden bezahlen oder nicht? Ist das abhängig davon, ob das Absicht war oder nicht, böse gemeint oder ein Unfall?
        Oder drei dunkelhaarige Personen erzählen sich einen Blondinenwitz. Finden das harmlos. Ist eine blonde Frau dabei, besteht die Gefahr, dass sie sich vielleicht beleidigt fühlt. Berechtigt?

        Bei „emotionalen“ Schäden ist die Sache ja nicht so einfach. Du kannst nicht sehen, was Worte anrichten. Du glaubst es zu wissen, weil die Frage nach der Herkunft bei Dir nichts auslöst. Deshalb machen die meisten Menschen wie Du den Fehler, zu denken, sie seien ebenso in der Lage zu beurteilen, ob diese Frage (es geht ja in Wirklichkeit nicht nur um diese Frage) nun rassistisch ist oder nicht, wie ich.
        Du wirst aber auch nicht ständig damit konfrontiert. Dein Deutschsein wird nicht ständig angezweifelt (und nicht nur mit der Frage nach der Herkunft; diese Frage ist nur die Spitze des Eisbergs).
        Siehe das, was ich zum Thema Privileg geschrieben habe.

        Du schreibst:
        «In meinen Augen hast Du keinen Grund, Dich angegriffen zu fühlen (wenn Du Dich nicht auch durch Fragen nach Job und Wohnort angegriffen fühlst), da ich Dir einfach eine unverfängliche Frage nach etwas Offensichtlichem gestellt habe.»

        Und da ist wieder das «Offensichtliche». Was ist denn das Offensichtliche? Was unterscheidet mich von „Biodeutschen“?
        Die Fragen nach meinen Job oder Wohnort haben nichts mit meinem Äußeren zu tun und sind Fragen, die Du auch anderen stellst.
        Und ja, es gibt genügend Gründe, sich angegriffen zu fühlen.
        Bitte recherchiere doch mal selbst zum Thema „Alltagsrassismus“, auch wenn es Dich selbst nicht treffen mag. Und bitte tue es nicht einfach als Überempfindlichkeit ab, wenn Du eine solche Behandlung selbst nicht erfährst.

        Du schreibst:
        «Es ist mir schleierhaft, wie man meine Frage dann so auffassen kann. Aber ich muss es hinnehmen.»

        Mir wäre lieber, Du nimmst meine Reaktion nicht einfach so hin, sondern fragst Dich selbst, warum Du meinst, ich könne interessante Geschichten bezüglich meiner Herkunft erzählen. Wie kommst Du darauf?

        Du schreibst:
        «Weshalb bringst Du nicht auch einmal Vertrauen mir gegenüber auf und glaubst mir, statt auf mein (nicht diskutierbares) Unbewußtes abzustellen?»

        Ich glaube Dir ja, dass Du es nicht böse meinst.
        Ich halte diese Frage trotzdem für rassistisch.
        Wenn Du mir die Frage stellst, antworte ich erst einmal, dass ich aus Berlin komme. Wenn das okay für Dich ist, kann das der Beginn einer wunderbaren Freundschaft sein.
        Wenn Du aber weiterfragst, wo ich denn wirklich herkomme, dann würde ich Dich fragen, warum Du das wissen willst. In der Regel sage ich nicht direkt, dass Du gerade eine rassistische Frage gestellt hast. Denn ich glaube daran, dass Menschen zur Einsicht fähig sind. Ich würde Dir erst später sagen, dass ich die Frage in diesem Kontext für rassistisch halte.
        Ich glaube Dir ja, dass diese Frage für Dich völlig unverfänglich ist. Deswegen muss ich ja davon ausgehen, dass Dir nicht bewusst ist, dass Deine Frage in einem bestimmten Kontext rassistisch ist.
        Du sprichst vom «Offensichtlichen». Für mich sind das Offensichtliche meine „Schlitzaugen“. Es sei denn, Du kannst mir erklären, was sonst das Offensichtliche sein soll, das Dich dazu bewegt, mir eine Frage zu stellen, die Du anderen nicht stellst.

        Du schreibst:
        «Ich habe das offensichtliche konstatiert (Dein Aussehen, denn nur das wäre ja Anlass für die Frage, um die es hier geht).»

        Eben. Nun soll Deutschland eine Einwanderungsgesellschaft sein. Rund 17 Mio. Menschen haben einen sogenannten Migrationshintergrund (wir haben dafür immer noch keinen besseren Begriff gefunden). In einer wirklichen Einwanderungsgesellschaft ist nicht mehr offensichtlich, wer Deutscher ist und wer nicht. Zumindest nicht, was das Aussehen anbetrifft. Wenn Du trotzdem vom «Offensichtlichen» schreibst und damit mein Aussehen meinst, dann verstehe ich darunter, dass ich aufgrund meines Aussehens auffalle, weil mein Aussehen nicht zu Deinem Bild eines Deutschen bzw. eines Standards passt.

        Du schreibst:
        «Und ja, ich grenze Dich in gewisser Weise aus mit dieser Frage. Wenn Du das so sehen möchtest. Dann grenze ich aber auch die aus, die nicht in meiner Stadt wohnen, die nicht denselben Beruf haben, die vielleicht nicht zwei Kinder haben»

        Ja und nein. Ja, wir packen Menschen gerne in Schubladen und grenzen damit andere Menschen aus bzw. machen Unterschiede. Das kann harmlos sein, das kann diskriminierend sein.
        Nein, weil bei Beruf oder Wohnort trotzdem nicht das Deutschsein in Frage gestellt wird. Hier können andere Diskriminierungsformen auftauchen. Z.B. der Akademiker, der sich vom Handwerker abgrenzen möchte (Klassismus).

        Du schreibst:
        «Du siehst anders aus als die meisten anderen. Du bist dann so besonders wie der Kampfpilot, der vielleicht auch da ist. Oder die Berliner Vize-Meisterin im Fechten. Oder jemand, der zwei Jahre im Kongo gelebt hat. Von allen würde ich annehmen, sie könnten interessante, spannende Dinge erzählen. Du hast das Pech, dass man Dir dieses „Besondere“ ansieht.»

        Na ja. Bis auf eineiige Zwillinge (oder Drillinge oder…) sehen alle Menschen anders aus als die anderen. 😉
        Das ist nichts Besonderes.
        Und im Unterschied zum Kampfpiloten, der wohl nicht in seiner Arbeitskleidung zur Party geht, kann er sonst seine Uniform jederzeit ausziehen. Und schon wird er nicht mehr von jedermann danach gefragt. Ich kann meine Hautfarbe nicht ablegen. Deswegen hinkt der Vergleich. Auch der Mensch, der zwei Jahre im Kongo gelebt hat, trägt kein Schild mit sich herum, auf dem diese Information steht.
        Du merkst, ich wiederhole mich immer wieder:
        Du siehst in mir etwas Besonderes und glaubst zu wissen, ich könnte Dir interessante, spannende Dinge erzählen, weil Du mit meinem Aussehen eine bestimmte Erwartung verknüpfst. Ich glaube, wenn Du herausfindest, welche Leidenschaften Menschen haben, kann Dir jeder Mensch etwas interessantes und spannendes erzählen.

        Du schreibst:
        «Wenn die Vize-Meisterin im Fechten dann in der Zeitung steht und sie bekannt wird, vermute ich, wird es ihr ein wenig so gehen wie Dir, sie muss permanent dieselben Fragen beantworten, wird immer wieder darauf angesprochen, dabei hat sie doch einfach nur ihren Job gemacht»

        Genau das ist der Unterschied: Es ist ihr Job. Ein Job, den sie sich ausgesucht hat. Mein Aussehen ist dagegen angeboren. Ich habe meine Schlitzaugen nicht gewählt.
        Wenn die Vize-Meisterin im Fechten dagegen dauernd auf ihr Aussehen angesprochen wird, weil sie nach bestimmten Standards besonders hübsch sei, wenn Leute von ihr wissen wollen, ob sie schon einen Verlobten hat oder noch Single ist, welche Körpermaße sie hat und ob sie nicht mal im Playboy für ihren Sport Werbung machen wolle, dann wiederum können die Fragen sehr schnell in Sexismus übergehen.

        Lieber Chris,
        ich hoffe, ich habe Dich damit jetzt nicht erschlagen.
        Vor 20 Jahren hätte ich die Frage nach der Herkunft lästig, aber nicht als rassistisch empfunden. Damals wusste ich allerdings auch nicht wirklich, was Rassismus ist. Erst als ich angefangen habe, mich mit Rassismus, seinen Hintergründen und Formen auseinanderzusetzen, habe ich erst begriffen, wann und warum diese Frage rassistisch sein kann (sie ist das nicht per se). Erst dann wurde mir im Laufe der Zeit immer bewusster, dass ich auch als Kind schon Rassismus erfahren habe. Ich konnte diese Erfahrung früher nur nicht benennen.

        Vielleicht fällt es leichter, Rassismus zu verstehen, wenn mensch selbst Rassismus erfahren hat (ich hoffe ja nicht). Trotzdem hoffe ich, dass ich mit meinen Kommentar deutlich machen konnte, warum die Frage nach der Herkunft rassistisch ist, wenn sie allein aufgrund der zugeschriebenen Hautfarbe oder Ethnie gestellt wird.

        P.S. Ich danke Dir übrigens für Deine langen Kommentare. Denn sie helfen mir zu verstehen, wo die Missverständnisse liegen könnten, warum wir beide ein und dasselbe Verhalten anders erleben und deswegen auch anders bewerten. 🙂